Storys aus der Forschung
Neues Wissen zu Stress und Resilienz, innovative Therapien gegen Krebs und seltene Krankheiten, wirksame Ideen für den Kampf gegen Armut, Vorschläge für eine gut ausbalancierte Ernährung, kalkulierte Umweltrisiken und gesunde Langlebigkeit: Entdecken Sie, wie die UZH-Forschung Antworten auf aktuelle Herausforderungen findet und so zu einer widerstandsfähigen Gesellschaft beiträgt.

Stress, der unseren Körper zeichnet, Wohnungsknappheit in Zürich und Lehren aus der spätantiken «Völkerwanderung»: Forschende an der UZH analysieren Krisen und Stress und zeigen auf, was Menschen und Gesellschaften widerstandsfähiger macht.
Rund ein Viertel der Schweizer Bevölkerung fühlt sich oft gestresst. An der UZH wird unter unterschiedlichen fachlichen Blickwinkeln erforscht, was uns zusetzt und was unsere Widerstandskraft fördert – individuell und als Gesellschaft.
Zur Resilienz tragen vor allem zwei Eigenschaften bei: Flexibilität und die Fähigkeit, im Gleichgewicht zu bleiben. Hilfreich ist demnach, sich verändernden Umständen anpassen zu können und in Krisensituationen schnell die Balance wiederzufinden. Mit Blick auf die Wirtschaftspolitik sagt UZH-Ökonom Thorsten Hens: «Resilient zu sein, bedeutet, beweglich zu sein wie das Schilf, das im Sturm nachgeben kann, um sich wieder aufzurichten, wenn dieser vorbei ist.»

«Viele denken, Resilienz sei ein bestimmtes Merkmal einer Person oder es gebe gar ein Resilienz-Gen. Das ist aber unwahrscheinlich.»
Professorin für Experimentelle Psychopathologie und Psychotherapie
Die individuelle Stressbewältigung ist Thema eines interdisziplinären Teams um die Psychologin Birgit Kleim und die Neurobiologin Isabelle Mansuy. «Viele denken, Resilienz sei ein bestimmtes Merkmal einer Person oder es gebe gar ein Resilienz-Gen. Doch das ist unwahrscheinlich», so Birgit Kleim. Das menschliche Gehirn kann lernen, mit Stress umzugehen. Erkenntnisse aus dem Labor eröffnen neue Perspektiven für erfolgreiche Resilienz-Trainings.
Bei der Erforschung der Ursachen von Stress verfolgt der Anthropologe Colin Shaw eine interessante Spur. Er geht davon aus, dass wir heute vor allem in den Städten in Umgebungen leben, an die unser Körper evolutionsbiologisch betrachtet nicht genügend angepasst ist. Die ständigen Reize überfordern unser Nervensystem. Denn biologisch sind wir immer noch Jäger und Sammler. Der Wald komme unseren ursprünglichen Lebensbedingungen am nächsten, sagt Shaw.

Ab in den Wald: Der Anthropologe Colin Shaw untersucht die Auswirkungen der Umgebung auf die Gesundheit.
Aktuell ist die Suche nach einer Wohnung in der Stadt für viele stressig, und die Wohnungsknappheit löst Ängste aus. Das SNF-Projekt «Responsible City», an dem die UZH beteiligt ist, sucht nach Lösungen. Die Geografin Frances Brill sagt dazu: «Wohnen ist ein Menschenrecht. Deshalb müssen wir jede Massnahme daran messen, wem sie nützt und wem sie schadet.»
Auf dem Seil tanzen
Chronischer Stress bringt Körper und Psyche ins Ungleichgewicht und hat gravierende Folgen für die Gesundheit. Wie das passiert, untersucht ein interdisziplinäres Team an der UZH. Und es erforscht, was uns stark macht gegen Stress.
Ab in den Wald
Vor allem in Städten ist die Reizüberflutung gross. Wir sind dafür nicht gemacht, sagt Colin Shaw. Der Anthropologe untersucht aus evolutionärer Perspektive, welche Umgebungen uns gesundheitlich belasten und welche uns guttun.
Angst vor dem Bagger
Die Wohnungssuche in Zürich ist für viele zum Albtraum geworden. Extrem tiefe Leerstandsquoten, Massenkündigungen und steigende Baukosten verschärfen die Lage. Forschende der UZH gehen der Krise auf den Grund und werfen einen Blick nach Genf.
Trumps Abrissbirne
Die Trump-Regierung will die US-Wirtschaft stärken und Industriejobs zurückholen. Tatsächlich tut sie in vielen Bereichen das Gegenteil von dem, was die Wirtschaft stark und widerstandsfähig macht – eine Analyse.
Von Bad News überflutet
Täglich werden wir mit einer Flut von negativen Nachrichten konfrontiert. Das kann belastend sein. Die Kommunikationswissenschaftlerin Anne Schulz untersucht, wie wir informiert bleiben können, ohne unsere mentale Gesundheit zu gefährden.
Auf nach Rom
Migration ist ein Stresstest für die Gesellschaft. Das war auch früher so, weiss Historiker Sebastian Scholz – fünf Lehren aus der Zeit der «Völkerwanderung» und des frühen Mittelalters, die unseren Umgang mit dem Thema verbessern können.

Neue Therapien gegen Krebs und seltene Krankheiten entwickeln, künstliche Intelligenz in der klinischen Praxis einsetzen und geschlechtsspezifische Krankheitssymptome untersuchen: Forschende der UZH tragen zum besseren Verständnis von schweren Erkrankungen bei und ermöglichen so gezieltere Behandlungen.
Die medizinische Forschung an der UZH steht exemplarisch für einen grundlegenden Wandel: weg von standardisierten Therapien – hin zu präzisen, personalisierten und datenbasierten Behandlungsansätzen. Grundlagenforschung, klinische Studien und digitale Technologien greifen dabei immer enger ineinander. Nicht zuletzt fördert die UZH auch das Verständnis geschlechterspezifischer Unterschiede in der Medizin.
Besonders sichtbar wird der Fortschritt in der Krebsforschung. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der UZH entwickeln Ansätze, die gezielt in den Stoffwechsel und die Anpassungsstrategien von Tumoren eingreifen. So zeigte ein Team, dass eine gezielte Diät ohne bestimmte Aminosäuren die Wirkung eines Krebsmedikaments bei kindlichen Tumoren des Nervensystems verstärkt und das Tumorwachstum in präklinischen Modellen deutlich bremst. Besonderen Schub erhält die Forschung für krebskranke Kinder in den nächsten vier Jahren: Mit 16,99 Millionen unterstützt der Bund das Projekt «Children & Cancer» der UZH und der Universität Lausanne. «Die Zusage des Bundesrats ist für uns ein absoluter Gamechanger», sagt Jean-Pierre Bourquin, Professor für Kinderonkologie an der UZH.
Auch innovative diagnostische und digitale Werkzeuge für eine individualisierte Krebsmedizin werden vorangetrieben. So soll ein neu entwickelter Urintest das Screening auf Prostatakrebs präziser machen und unnötige invasive Abklärungen reduzieren. Gleichzeitig halten datenbasierte Entscheidungsinstrumente Einzug in die Klinik: Am AI-Tumorboard werden genetische Profile, Bilddaten und klinische Studien analysiert, um Ärztinnen und Ärzte bei der Wahl der bestmöglichen Therapie zu unterstützen – auch bei seltenen Krankheiten. Der Universitäre Forschungsschwerpunkt ITINERARE untersucht solche Leiden und entwickelt neue Therapien.

«Die ersten Operationsroboter waren wie ein Fiat 500, heute arbeiten wir dagegen mit einem Ferrari», sagt José Oberholzer. Als einer der ersten Transplantationschirurgen weltweit führte er Transplantationen mit Robotertechnik durch.
UZH-Forschende treiben zukunftsweisende Ansätze voran, so arbeiten sie an sogenannten Fresszellen - Makrophagen, die von Tumorzellen umprogrammiert werden und diese nicht mehr eliminieren. Zugleich eröffnet die Analyse der weltweit grössten Herzinfarkt-Datensätze mithilfe künstlicher Intelligenz neue Wege, Krankheitsverläufe besser zu verstehen und Behandlungen differenzierter zu gestalten. Fortschritte in der robotergestützten Chirurgie erhöhen zudem die Präzision operativer Eingriffe.
Programme wie das Comprehensive Cancer Center Zurich bündeln diese Entwicklungen und verbinden Grundlagenforschung, klinische Studien und technologische Innovation – etwa bei CAR-T-Zell-Therapien gegen Blutkrebs oder bei neuen Behandlungsstrategien für oligometastasierte Tumoren.
Nicht nur die Herzen der Frauen schlagen anders
Das Verständnis für geschlechterspezifische Unterschiede in der Medizin nimmt zu. Am 1. Swiss Gender Medicine Symposium zeigen internationale Koryphäen den aktuellen Stand in Forschung und Klinik auf.
Gezielte Diät verstärkt Wirkung neuer Krebstherapie bei Kindern
Ein Forschungsteam der Universität Zürich und des Universitäts-Kinderspitals Zürich hat einen neuen therapeutischen Ansatz für Kinder mit bösartigen Tumoren des Nervensystems entwickelt. Durch die Kombination eines bewährten Medikaments mit einer speziellen Diät wird das Tumorwachstum gebremst und die Krebszellen zur Reifung in harmlose Nervenzellen angeregt.
Myonen und Krebs bei Kindern
Bessere Diagnosen und Therapien für krebskranke Kinder und mehr Schub für die Myonenforschung: Die UZH erhält zwei neue Nationale Forschungsschwerpunkte und damit eine langfristige Unterstützung für die Weiterentwicklung auf zwei Gebieten der Spitzenforschung.
Neuer Urintest für Prostatakrebs-Screening
Männer – das ist bekannt – gehen nicht gern zum Arzt, besonders ungern zum Urologen, mit dem Risiko, dass Prostatakrebs zu spät erkannt wird. Ein unkomplizierter Urintest könnte in Zukunft das Risiko minimieren. Dieser Test wird vom Spinoff ONTRACK Biomedical entwickelt.
Digitaler Assistent für Krebstherapie
Künstliche Intelligenz (KI) kann die präzise Behandlung von Krebskranken vorantreiben, denn mit Daten lassen sich Krankheitsverläufe genauer vorhersagen. Das spart Ressourcen und noch viel wichtiger: kostbare Zeit. Mit dem AI-Tumorboard soll die KI am Universitätsspital und Universitäts-Kinderspital Zürich Einzug halten.
Vergiftete Körper
Viele seltene Krankheiten betreffen den Stoffwechsel im Körper. Für die Betroffenen und für die Wissenschaft sind sie eine Herausforderung. Der Universitäre Forschungsschwerpunkt ITINERARE untersucht solche Leiden und entwickelt neue Therapien.
Trickreiche Tumoren
Hirntumoren nutzen das Immunsystem für sich aus. Dies will Neurochirurgin Jenny Kienzler mit einem neuen Therapieansatz ändern.
KI analysiert weltweit grösste Herzinfarkt-Datensätze
Künstliche Intelligenz kann das Risiko von Patientinnen und Patienten mit der häufigsten Form des Herzinfarkts präziser einschätzen als bisherige Methoden und somit die Behandlung gezielter steuern. Dies zeigt eine internationale Studie unter Leitung der Universität Zürich.
Checkpoint-Inhibitor fördert Reparatur von Gewebe
Die Immun-Checkpoint-Inhibitoren sind aus der Krebstherapie bekannt. UZH-Forschende haben nun in Mäusen eine neue, wichtige Funktion dieser Inhibitoren identifiziert: Sie beschleunigen die Heilung von Gewebe. Dies könnte bei der Behandlung von Fibrosen und chronischen Wunden helfen.
Mit dem Roboter operieren
José Oberholzer gehört weltweit zu den Ersten, die mit dem Roboter Organe transplantierten. Heute forscht er zu Zelltherapien für Diabetes, verpflanzt Nieren und Bauchspeicheldrüsen und fördert den Nachwuchs.
Hochaufgelöster Blick auf Krebszellen
Seit rund 400 Jahren können wir mit Mikroskopen immer kleinere Dinge erkennen. Heute können die modernsten Geräte tief in lebende Zellen hineinschauen und so helfen, Krankheiten wie Krebs zu untersuchen und Therapien zu verbessern. An diesem Ziel arbeiten an der UZH mehrere Forschungsgruppen.
Wie personalisierte Krebsforschung die Menschen erreicht
Was Präzisionsmedizin heute bereits leisten kann, wird am Comprehensive Cancer Center Zurich (CCCZ) sichtbar: Krebstherapien, die gezielt wirken – und gesundes Gewebe schonen. Klinik, Forschung und Lehre arbeiten hier eng zusammen, um wissenschaftliche Erkenntnisse schneller in die Behandlung zu bringen.

Armut präzise bekämpfen, Unternehmen in die Verantwortung nehmen, faire Chancen für alle und vertrauenswürdige Politik: An der UZH beschäftigen sich Forschende mit der Frage, wie die Welt gerechter gestaltet werden könnte. Diesem Thema wird sich auch das Lemann Center für Entwicklung, Bildung und Public Policy widmen, das die Nobelpreisträgerin Esther Duflo und der Nobelpreisträger Abhijit Banerjee an der UZH aufbauen werden.
Gute Forschung kann das Leben vieler Menschen weltweit verbessern. Dies belegt die wissenschaftliche Arbeit von Esther Duflo und Abhijit Banerjee. Die Entwicklungsökonomin und der Entwicklungsökonom bekämpfen seit Jahren erfolgreich die Armut. Grundlage dafür sind präzise Feldexperimente auf der ganzen Welt, die zuweilen zu überraschenden Erkenntnissen führen. So zeigte sich etwa, dass Entwurmungskuren Kindern in Kenia ermöglichen, regelmässiger die Schule zu besuchen. Dies erhöht ihre Chancen auf mehr Einkommen und gute Gesundheit im Erwachsenenalter.
Mittlerweile sind am Abdul Latif Jameel Poverty Action Lab in Boston, das die beiden Forschenden mitbegründet haben, eine Vielzahl solcher Studien entstanden – immer mit dem Ziel, konkrete Massnahmen zu entwickeln, die Menschen das Leben erleichtern und zu etwas mehr Gerechtigkeit führen.

Esther Duflo und Abhijit Banerjee (von links) bei der Feldforschung in Indien.
Für ihre bahnbrechende Forschung erhielten Esther Duflo und Abhijit Banerjee 2019 den Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften. 2025 entschied das Ehepaar, vom Massachusetts Institute of Technology in Boston an die Wirtschaftswissenschaftliche Fakultät der UZH zu wechseln, wo sie ab Sommer 2026 je eine von der Lemann Foundation finanzierte Stiftungsprofessur übernehmen und gemeinsam das Lemann Center für Entwicklung, Bildung und Public Policy aufbauen werden.
An der UZH beschäftigen sich Forschende aus verschiedenen Disziplinen im weitesten Sinne mit der Frage, wie die Gesellschaft gerechter gestaltet werden könnte. Die Rechtswissenschaftlerin Christine Kaufmann beschäftigt sich mit Menschenrechten und erforscht, wie Unternehmen ihre Verantwortung besser wahrnehmen können. Und sie hat für die internationale Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) Leitlinien für verantwortungsvolle Unternehmensführung aktualisiert, die von 52 Staaten übernommen wurden. Die Schweiz hat in dieser Sache noch Aufholbedarf: «Die Unternehmensverantwortung in der Schweiz muss einheitlicher, klarer und besser geregelt werden», sagt Kaufmann.

«Die Unternehmensverantwortung in der Schweiz muss einheitlicher, klarer und besser geregelt werden.»
Professorin für Staats-, Verwaltungs- und Völkerrecht
Die Erzählung vom amerikanischen Traum verspricht Glück als Lohn für harte Arbeit. Der Glaube an dieses meritokratische Prinzip ist die Basis unserer westlichen Leistungsgesellschaft. Doch haben tatsächlich alle eine Chance, es zu etwas zu bringen? Der UZH-Ökonom Ernst Fehr sagt dazu: «Chancengleichheit bedeutet gleiche Startbedingungen für alle, doch das ist kaum erreichbar, weil die Voraussetzungen in Bezug auf Familie, Finanzen und Bildung sehr verschieden sind.» Deshalb seien gute und erschwingliche Bildungsmöglichkeiten und ein faires Steuersystem wichtig. Wie Steuersysteme gerechter werden, untersucht UZH-Ökonom Florian Scheuer.
Wichtig ist zudem, dass Gerechtigkeit sich nicht nur ökonomisch quantifizieren lässt, es geht auch um ideelle Werte wie Anerkennung und Wertschätzung. Darauf verweist die Forschung der Politikwissenschaftlerin Silja Häusermann.
Entwicklungshilfe nach Mass
Entwurmungskuren für Schulkinder in Kenia und mehr Schutz vor den Folgen des Klimawandels für Menschen in Indien: Mit präzisen Experimenten und konkreten Massnahmen kämpfen Esther Duflo und Abhijit Banerjee gegen die Armut. Dafür erhielten sie 2019 den Wirtschaftsnobelpreis. Im Interview erklären sie ihren erfolgreichen Forschungsansatz.
Schmutziges Wasser, weisses Gold
Die Menschenrechte werden von der Wirtschaft meist anerkannt, aber zu wenig durchgesetzt. Entscheidend ist, Probleme konkret zu benennen, statt ideologische Grundsatzdiskussionen zu führen, sagt Rechtswissenschaftlerin Christine Kaufmann.
Faire Startchancen für alle
Ein meritokratisches System, das Leistung belohnt, setzt voraus, dass alle faire Startchancen haben. Dazu tragen zugängliche und erschwingliche Bildung, ein funktionierendes Gesundheits- und Sozialsystem und ein gerechtes Steuersystem bei, sagen die Ökonomen Ernst Fehr und Steven Ongena.
Verlierern unter die Arme greifen
Der soziale Abstieg und die Angst davor treiben viele Menschen dazu, Parteien am rechten Rand zu wählen. Wenn ihnen Wertschätzung entgegengebracht und sie gezielt unterstützt werden, stärkt das ihr Vertrauen in den Staat, sagt die Politologin Silja Häusermann.
Steuerlast gerechter verteilen
Für «gerechte» Steuern gibt es keine einfache Lösung, es braucht ein Bündel von pragmatischen Massnahmen: Schlupflöcher schliessen, Fehlanreize minimieren, Arbeit und Kapital gleichermassen besteuern. Letztlich werden Steuern aber politisch ausgehandelt, sagen der Historiker Mathieu Leimgruber und der Ökonom Florian Scheuer.
Gerechte Entscheide kalkulieren
Politische Entscheidungen schaffen oft Gewinner und Verlierer. Das lässt sich nicht immer vermeiden, doch können berechenbare und transparente Kriterien helfen, Ungerechtigkeiten zu minimieren, wie die Forschung der Ökonomin Maya Eden zeigt.

Zu wissen, was uns guttut, ist der Schlüssel zu einer gesunden und ausgewogenen Ernährung. Forschende der UZH zeigen, was uns nützt und was uns schadet – und wie wir unseren Körper ins Gleichgewicht bringen können.
Die Tischlein sind heute reich gedeckt – zumindest in den westlichen Konsumgesellschaften. Doch eigentlich ist unser Körper nicht gemacht für die Überfülle, wie Evolutionsmedizinerin Nicole Bender festhält: «Biologisch und genetisch ist unser Körper auf dem Stand des Neolithikums». Das passt nicht zur modernen Ernährung mit industriell hergestellten Lebensmitteln, die gesättigt sind mit hochkonzentrierten Nährstoffen wie Kohlenhydraten, Fetten und Zucker und die gleichzeitig oft wenig Vitamine und Ballaststoffe enthalten.

«Unser Körper ist darauf programmiert, nicht zu verhungern, für ein Leben im Nahrungsmittelüberfluss ist er nicht gemacht.»
Professor für Veterinärphysiologie
«Unser Körper ist darauf programmiert, nicht zu verhungern, für ein Leben im Nahrungsmittelüberfluss ist er nicht gemacht», sagt auch Thomas Lutz. Der Veterinärphysiologe untersucht, wie falsche Ernährung unser Hormonsystem durcheinanderbringt, mit schwerwiegenden Folgen wie Fettleibigkeit und Diabetes. Und er hat die Grundlagen für eine neue Abnehmspritze erforscht, die auf dem Hormon Amylin basiert. Das Hormon reduziert unter anderem das Hungergefühl und verlangsamt die Entleerung des Magens.
Unsere Essgewohnheiten verändern sich nur langsam. Weshalb das so ist und mit welchen Strategien und Therapien wir unsere Ernährung wieder ins Lot bringen, erforschen die Ernährungswissenschaftlerin Sabine Rohrmann und der Psychologe Sebastian Bürgler.
Eine Möglichkeit, die Ernährung wieder an Bedingungen anzunähern, die besser zu unserer biologischen Ausstattung passen, ist das Fasten. Besonders wirkungsvoll ist es, abwechslungsweise ganze Tage wenig oder nichts zu sich zu nehmen. Das zeigen Studien des Adipositas-Forschers Philipp Gerber. Fasten hat aber auch eine spirituelle Dimension. Für den Theologen Ralph Kunz ist es ein Moment des Innehaltens, eine leiblich erfahrbare Unterbrechung des Gewohnten, die Raum schafft für Demut und Aufmerksamkeit.
Fisch statt Fastfood
Die moderne Food-Welt bietet eine Überfülle an bequemen Verpflegungsmöglichkeiten. Doch unsere steinzeitliche Biologie passt nicht zur modernen Ernährung. Dies macht uns zu schaffen. Evolutionsmedizinerin Nicole Bender weiss, wie wir mit diesem Dilemma umgehen können.
Querbeet und bunt ist gesund
Unsere Ernährungsgewohnheiten sind oft ungesund und sie verändern sich nur langsam. Psychologe Sebastian Bürgler und Ernährungswissenschaftlerin Sabine Rohrmann erforschen, weshalb das so ist und was wir tun können, um es zu ändern.
Die Welt wird dicker
Wir essen zu viel und bewegen uns zu wenig. Das kann unseren Energiehaushalt aus dem Lot bringen. Mögliche Konsequenzen sind Übergewicht und Fettleibigkeit. Der Physiologe Thomas Lutz und der Adipositas-Spezialist Philipp Gerber erforschen, wie Betroffene wieder ins Gleichgewicht kommen.
Klimaerwärmung lässt Anbauflächen global schrumpfen
Mit steigenden Temperaturen schrumpfen die Anbauflächen vieler wichtiger Nutzpflanzen wie Weizen, Mais oder Kartoffeln. Besonders betroffen sind die Subtropen. Scrollen Sie durch animierte Diagramme und interaktive Karten im Artikel, die das Ausmass des Rückganges in verschiedenen Klimaszenarien zeigen.
Freiwillig verzichten
In der säkularen Überflussgesellschaft hat das Fasten seine religiöse Notwendigkeit verloren – und erlebt doch als «Detox» eine Renaissance. Theologe Ralph Kunz und Psychologin Lisa-Katrin Kaufmann erklären, wieso es auch heute sinnvoll sein kann, freiwillig auf Nahrung zu verzichten.

Forschende der UZH eröffnen mithilfe von KI neue Perspektiven auf die Geschichte, analysieren die Moral des Lobens, untersuchen problematische Arbeitsbedingungen in der digitalen Welt und erkunden die Sprachenvielfalt in der Schweiz.
Heinrich Bullinger (1504 bis 1575) war ein passionierter Briefeschreiber. Über fünfzig Jahre lang pflegte der Zürcher Reformator Briefkontakte zu rund tausend Personen, unter anderem zu Pfarrern, Politikern, Fürsten und Gräfinnen in Europa und der Schweiz, aber auch mit Verwandten und Bekannten. Nach seinem Tod hinterliess Bullinger 12 000 Briefe, davon hatte er 2000 selbst verfasst, 10000 wurden ihm zugeschickt.
Das Institut für Computerlinguistik hat in den letzten fünf Jahren diese umfassende Briefschaft digital aufbereitet, im vergangenen Sommer wurde das Projekt «Bullinger digital» abgeschlossen. Damit wird die Korrespondenz nicht nur für Forschende aus Theologie und Sprachwissenschaften schnell und praktisch verfügbar, sondern für alle, die sich für die Geschichte der Zürcher Reformation interessieren.

Der Reformator Heinrich Bullinger nutzte alle im 16. Jahrhundert verfügbaren Medien für die Verbreitung der Reformations-Gedanken. Heute würde er wohl auch online kommunizieren. (Bild: Roland Fischer, remixed by KlingGrafik)
Mit dieser Geschichte verbunden ist auch die UZH: Denn ab 1525 trafen sich im Zürcher Grossmünster Pfarrer, Chorherren und Schüler, um gemeinsam die Bibel zu lesen und zu übersetzen. Diese Bibelstunden wurden als «Prophezey» bekannt. Sie sollten zu einem Vorläufer der höheren Bildung in Zürich werden – und zu einer Keimzelle der UZH. Dieser Umstand wurde im letzten Jahr anlässlich des 500-Jahre-Jubiläums mit zahlreichen Veranstaltungen an der Theologischen und Religionswissenschaftlichen Fakultät der UZH gefeiert.
Digitale Technologie macht nicht nur historische Dokumente einfacher und besser zugänglich, wie das Beispiel von «Bullinger digital» zeigt, sondern ermöglicht auch neue Perspektiven auf die Geschichte. So nutzt der Alt-Historiker Felix K. Maier KI-Bildgeneratoren, um antike Szenen historisch fundiert zu visualisieren und damit zu neuen wissenschaftlichen Fragestellungen zu gelangen. «Je intensiver wir uns mit KI-generierten Bildern beschäftigen, desto stärker wird unsere historische Vorstellungskraft stimuliert», sagt er.
Der technologiegetriebene gesellschaftliche Transformationsprozess, in dem wir uns heute befinden, eröffnet vielversprechende Perspektiven – hat aber auch Schattenseiten. Ein Beispiel dafür sind Arbeitsverhältnisse auf Abruf mit flexibel definierten Arbeitszeiten, die über digitale Plattformen vermittelt werden. «Das kann bedeuten, dass sich jemand immer für Aufträge bereithält und am Ende der Woche trotzdem zu wenig Arbeitsstunden für einen existenzsichernden Lohn hat», sagt Arbeitsgeografin Karin Schwiter. In einem vom europäischen Forschungsrat unterstützten Projekt untersucht sie das Problem der Unterbeschäftigung in der Schweiz, in Grossbritannien und den Niederlanden und entwickelt Lösungsvorschläge für Politik und Wirtschaft.

In der Schweiz werden weit mehr Idiome als die vier Landessprachen gesprochen. (Illustration: Cornelia Gann)
Der gesellschaftliche Wandel spiegelt sich auch im Sprachgebrauch. «Sprachen sind dynamisch und passen sich ständig den Kommunikationsbedürfnissen an», sagt der Romanist Johannes Kabatek. Die Forschung zeigt, dass die Schweiz längst kein viersprachiges, sondern ein vielsprachiges Land ist. Dieser polyglotten Schweiz gilt das 2024 erschienene Buch «Sprachenräume der Schweiz», das den Sprachwandel und die Sprachenvielfalt in der Schweiz beleuchtet.
Bullingers Schatz ist online
Die 12'000 Briefe umfassende Korrespondenz des Zürcher Reformators Heinrich Bullinger ist digitalisiert und online. Künstliche Intelligenz und Citizen Science halfen mit, die Vielfalt der Handschriften und Namen zu erschliessen.
Zwingli, Gott und UZH
Vor 500 Jahren hielt Reformator Huldrych Zwingli im Grossmünster Bibelstunden ab. Jahrhunderte später entstand daraus die Universität Zürich. Damals prägte die Kirche die Welt, heute schwindet ihre Bedeutung. Was hat die Theologie der Gesellschaft noch zu sagen?
Das Gute würdigen
Wenn wir über Moral sprechen, denken wir fast immer an Schuld, Tadel und Strafe, nicht aber an Lob, sagt Pascale Willemsen. Die Philosophin will das ändern: Sie untersucht die sozialen Regeln des Lobens und macht dazu Experimente.
Legionäre per Klick
Ein Zenturio mit Sneakers und Sonnenbrille? KI-Bildgeneratoren können Geschichte ganz schön verdrehen. Altertumswissenschaftler entwickeln ein Tool, das antike Szenen historisch fundiert visualisiert und damit neue Perspektiven eröffnet.
Schattenseiten der Teilzeitarbeit
Die UZH-Arbeitsgeografin Karin Schwiter hat einen der begehrten ERC Advanced Grants des Europäischen Forschungsrats erhalten. In den nächsten fünf Jahren will sie das Problem der Unterbeschäftigung in der Schweiz, in Grossbritannien und in den Niederlanden untersuchen.
Vielsprachige Schweiz
Die Schweiz ist längst kein viersprachiges Land mehr, sondern ein vielsprachiges. Das neu erschienene Buch «Sprachenräume der Schweiz» analysiert diesen Wandel und beleuchtet die Sprachenvielfalt der Schweiz.

Mit Methoden der Fernerkundung analysieren Forschende der UZH den Bergsturz von Blatten, aber auch Umweltschäden, die von der Industrie verursacht werden. Gleichzeitig verbessern sie die Möglichkeiten, das Risiko künftiger Umweltkatastrophen besser abzuschätzen.
Ende Mai 2025 wurde das Walliser Dorf Blatten von einer Schutt- und Eislawine weitgehend zerstört. Kurz nach dem Bergsturz haben Fernerkundungsspezialisten der UZH mit verschiedenen Sensoren das Bergsturzgebiet überflogen und Hyperspektraldaten im bisher umfassendsten Bandbreitenbereich von der Abriss-Stelle und vom Schuttkegel gesammelt.
«Diese Daten können viel detaillierter als die bisher bekannten Fotografien Auskunft über die Beschaffenheit des Schuttkegels geben», sagt Mathias Kneubühler vom Geographischen Institut der UZH. Forschende der Geologie, Glaziologie oder etwa Ökologie können sich damit nun ein möglichst klares Bild über die Situation in Blatten und die mögliche zukünftige Entwicklung verschaffen.

Der Schuttkegel über Blatten am 11. Juni 2025. Die Aufnahme machten Andreas Hüni und Marius Vögtli von der Airborne Research Facility for the Earth System (ARES) der UZH.
Auch Alexander Damm-Reiser analysiert Umweltschäden per Fernerkundung. Im Forschungsprojekt «Spatial Sustainable Finance» dokumentiert er mit Hilfe von Satellitendaten den Zustand von Ökosystemen im Umkreis von Industrieanlagen oder Rohstoffförderungen. Das Projekt wurde von der Organisation Geospatial World mit dem Zertifikat für «Excellence in Environmental and Societal Impact» ausgezeichnet. «Die Fernerkundung erlaubt Einblicke in Ökosysteme, die von blossem Auge nicht möglich ist», sagt Damm-Reiser.
Umweltanalysen beschäftigen auch den Geografen Holger Frey. Er untersucht, was passieren könnte, wenn Geröll, Eis oder Wasser in Bewegung geraten. Dazu erarbeitet er Modelle, die zeigen, wie sich Felsstürze, Eisabbrüche oder Wassermassen im Gelände ausbreiten, und wo und wie schnell Wasser und Geröll fliessen. Diese Erkenntnisse helfen vorherzusehen, wo kritische Ereignisse stattfinden können und wie man sich vor ihren Folgen schützen kann.
Gefahren gehen nicht nur von Erdrutschen oder Felsstürzen aus: Der Bericht des BAFU zu Klimarisiken listet unter anderem auch kleinere lokale Überschwemmungen als Klimarisiko auf. «Bei Hochwasser sind Niederschläge im Normalfall der auslösende Faktor», sagt Daniel Viviroli, der unter anderem die Auswirkungen des Klimawandels auf Hochwasser untersucht. Zuverlässige Prognosen dazu sind schwierig. Auch hier können Simulationen und Modelle helfen. Viviroli und sein Team haben beispielsweise mit realen Wetterdaten aus den vergangenen neunzig Jahren das Abflussverhalten von Gewässern in der Schweiz modelliert. Diese Modelle helfen zu verstehen, wie häufig Spitzen entstehen und welche Ausmasse sie annehmen können.
Verwundeter Regenwald
Mit Satellitendaten kann Alexander Damm-Reiser Biodiversität, Ökosysteme und Umweltschäden analysieren und in Bilder fassen. Damit lässt sich unter anderem objektiv und unabhängig der ökologische Fussabdruck von Unternehmen bewerten.
Detaillierter Blick auf den Schuttkegel von Blatten
Seit im Mai 2025 riesige Fels- und Eismassen das Walliser Dorf Blatten unter sich begruben, beschäftigen sich Forschende intensiv mit dem Ereignis. Spezialisten der UZH für Fernerkundung haben den Schuttkegel mit verschiedenen Sensoren aus der Luft vermessen. Die Analyse der Daten soll unter anderem bei der Bewältigung künftiger Ereignisse helfen.
Bergstürze und starker Regen
Naturgefahren wie Erdrutsche und Überschwemmungen dürften in der Schweiz häufiger werden. UZH-Geografen arbeiten daran, bessere Vorhersagen zu machen, wo sie auftreten könnten und welche Folgen sie haben.