Storys aus der Forschung

Was uns stark macht

Neues Wis­sen zu Stress und Re­si­li­enz, in­no­va­tive The­ra­pien ge­gen Krebs und sel­te­ne Krank­hei­ten, wirk­same Ideen für den Kampf ge­gen Ar­mut, Vor­schlä­ge für eine gut aus­ba­lan­cier­te Er­näh­rung, kal­ku­lier­te Um­welt­ri­si­ken und ge­sun­de Lang­le­big­keit: Ent­decken Sie, wie die UZH-For­schung Ant­wor­ten auf ak­tu­el­le Her­aus­for­de­run­gen fin­det und so zu ei­ner wi­der­stands­fä­hi­gen Ge­sell­schaft beiträgt.

Resilienz beruht auf Flexi­bili­tät und der Fähig­keit, im Gleich­gewicht zu bleiben. An der UZH werden die bio­logi­schen, neuro­logi­schen und psy­chischen Aspekte der Stress­bewäl­tigung inter­diszi­plinär erforscht. (Illustration: Cornelia Gann)

Krisen, Stress und Resilienz

Stress, der unseren Körper zeichnet, Wohnungs­knapp­heit in Zürich und Leh­ren aus der spät­an­tiken «Völ­ker­wan­de­rung»: For­schende an der UZH analy­sieren Kr­isen und Stress und zei­gen auf, was Men­schen und Ge­sell­schaften wider­stands­fähiger macht.

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Rund ein Vier­tel der Schwei­zer Be­völ­ke­rung fühlt sich oft ge­stresst. An der UZH wird unter un­ter­schied­li­chen fach­lichen Blick­win­keln er­forscht, was uns zu­setzt und was un­sere Wider­stands­kraft för­dert – in­di­vi­duell und als Gesellschaft. 

Zur Resilienz tra­gen vor allem zwei Ei­gen­schaf­ten bei: Fle­xi­bi­li­tät und die Fä­hig­keit, im Gleich­ge­wicht zu blei­ben. Hilf­reich ist dem­nach, sich ver­än­dern­den Um­stän­den an­pas­sen zu kön­nen und in Kri­sen­si­tua­tio­nen schnell die Ba­lance wie­der­zu­fin­den. Mit Blick auf die Wirt­schafts­po­li­tik sagt UZH-Öko­nom Thors­ten Hens: «Re­silient zu sein, be­deu­tet, be­weg­lich zu sein wie das Schilf, das im Sturm nach­ge­ben kann, um sich wie­der auf­zu­rich­ten, wenn die­ser vor­bei ist.»

«Viele denken, Resilienz sei ein bestimmtes Merk­mal einer Person oder es gebe gar ein Resilienz-Gen. Das ist aber unwahrscheinlich.»

Birgit Kleim

Professorin für Experimentelle Psychopathologie und Psychotherapie

Die individuelle Stress­be­wäl­ti­gung ist Thema eines in­ter­dis­zi­pli­nären Teams um die Psy­cho­login Bir­git Kleim und die Neu­ro­bio­lo­gin Isa­belle Man­suy. «Viele den­ken, Resi­lienz sei ein be­stimm­tes Merk­mal einer Per­son oder es gebe gar ein Resi­lienz-Gen. Doch das ist un­wahr­schein­lich», so Bir­git Kleim. Das mensch­liche Ge­hirn kann ler­nen, mit Stress um­zu­ge­hen. Er­kennt­nisse aus dem La­bor er­öffnen neue Pers­pek­ti­ven für er­folg­reiche Resi­lienz-Trainings.

Reizüberflutung in der Stadt

Bei der Er­for­schung der Ur­sachen von Stress ver­folgt der An­thro­po­lo­ge Colin Shaw eine in­te­res­san­te Spur. Er geht da­von aus, dass wir heute vor allem in den Städ­ten in Um­ge­bun­gen le­ben, an die un­ser Kör­per evo­lu­tions­bio­lo­gisch be­trach­tet nicht ge­nü­gend an­ge­passt ist. Die stän­di­gen Reize über­for­dern unser Ner­ven­sys­tem. Denn bio­lo­gisch sind wir immer noch Jä­ger und Samm­ler. Der Wald kom­me un­se­ren ur­sprüng­li­chen Le­bens­be­din­gun­gen am nächs­ten, sagt Shaw.

Ab in den Wald: Der Anthro­pologe Colin Shaw unter­sucht die Aus­wirkun­gen der Um­gebung auf die Gesundheit.

Aktuell ist die Suche nach einer Woh­nung in der Stadt für viele stressig, und die Woh­nungs­knapp­heit löst Ängste aus. Das SNF-Projekt «Res­pon­sible City», an dem die UZH b­etei­ligt ist, sucht nach Lö­sun­gen. Die Geo­grafin Frances Brill sagt dazu: «Woh­nen ist ein Men­schen­recht. Des­halb müs­sen wir jede Mass­nahme da­ran mes­sen, wem sie nützt und wem sie schadet.»

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Auf dem Seil tanzen

Chro­ni­scher Stress bringt Kör­per und Psy­che ins Un­gleich­ge­wicht und hat gra­vie­ren­de Fol­gen für die Ge­sund­heit. Wie das pas­siert, unter­sucht ein in­ter­dis­zi­pli­näres Team an der UZH. Und es er­forscht, was uns stark macht gegen Stress.

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Ab in den Wald

Vor allem in Städten ist die Reiz­über­flu­tung gross. Wir sind da­für nicht ge­macht, sagt Colin Shaw. Der An­thro­po­loge un­ter­sucht aus evo­lu­tio­närer Pers­pek­tive, wel­che Um­ge­bun­gen uns ge­sund­heit­lich be­las­ten und wel­che uns guttun.

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Angst vor dem Bagger

Die Woh­nungs­suche in Zürich ist für viele zum Alb­traum ge­wor­den. Ex­trem tiefe Leer­stands­quo­ten, Mas­sen­kün­di­gun­gen und stei­gen­de Bau­kos­ten ver­schär­fen die Lage. For­schende der UZH ge­hen der Krise auf den Grund und wer­fen einen Blick nach Genf.

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Trumps Abrissbirne 

Die Trump-Regie­rung will die US-Wirt­schaft stär­ken und In­dus­trie­jobs zu­rück­holen. Tat­säch­lich tut sie in vie­len Be­rei­chen das Ge­gen­teil von dem, was die Wirt­schaft stark und wider­stands­fähig macht – eine Analyse.

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Täglich wer­den wir mit einer Flut von ne­ga­tiven Nach­rich­ten kon­fron­tiert. Das kann be­las­tend sein. Die Kom­mu­ni­ka­tions­wis­sen­schaft­le­rin Anne Schulz un­ter­sucht, wie wir in­for­miert blei­ben kön­nen, ohne un­sere men­tale Ge­sund­heit zu gefährden.

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Auf nach Rom

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Dem Gehirn Sorge tragen: Neuro­chirurgin Jenny Kienzler ent­wickelt eine neue Therapie gegen Hirntumoren.

Medizin der Zukunft

Neue Thera­pien gegen Krebs und sel­tene Krank­hei­ten ent­wickeln, künst­li­che In­tel­li­genz in der kli­ni­schen Pra­xis ein­set­zen und ge­schlechts­spe­zi­fi­sche Krank­heits­symp­to­me un­ter­suchen: For­schen­de der UZH tra­gen zum bes­se­ren Ver­ständ­nis von schwe­ren Er­kran­kun­gen bei und er­mög­li­chen so ge­ziel­te­re Behandlungen.

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Die medi­zi­ni­sche For­schung an der UZH steht exem­pla­risch für einen grund­le­gen­den Wan­del: weg von stan­dar­di­sier­ten The­ra­pien – hin zu prä­zi­sen, per­so­na­li­sier­ten und da­ten­ba­sier­ten Be­hand­lungs­an­sät­zen. Grund­la­gen­for­schung, kli­ni­sche Stu­dien und di­gi­tale Tech­no­lo­gien grei­fen da­bei immer en­ger in­ein­an­der. Nicht zu­letzt för­dert die UZH auch das Ver­ständ­nis ge­schlech­ter­spe­zi­fi­scher Un­ter­schiede in der Medizin.

Beson­ders sicht­bar wird der Fort­schritt in der Krebs­for­schung. Wis­sen­schaft­lerinnen und Wis­sen­schaft­ler der UZH ent­wickeln An­sätze, die ge­zielt in den Stoff­wech­sel und die An­pas­sungs­stra­te­gien von Tu­mo­ren ein­grei­fen. So zeig­te ein Team, dass eine ge­ziel­te Diät ohne be­stimmte Ami­no­säuren die Wir­kung eines Krebs­me­di­ka­ments bei kind­li­chen Tu­mo­ren des Ner­ven­sys­tems ver­stärkt und das Tu­mor­wachs­tum in prä­kli­ni­schen M­odel­len deut­lich bremst. Be­son­de­ren Schub er­hält die For­schung für krebs­kran­ke Kin­der in den nächs­ten vier Jah­ren: Mit 16,99 Millio­nen un­ter­stützt der Bund das Pro­jekt «Chil­dren & Cancer» der UZH und der Uni­ver­si­tät Lau­sanne. «Die Zu­sage des Bun­des­rats ist für uns ein ab­so­luter Game­changer», sagt Jean-Pierre Bour­quin, Pro­fes­sor für Kin­der­on­ko­logie an der UZH.

Auch inno­va­tive dia­gnos­ti­sche und digi­tale Werk­zeu­ge für eine in­di­vi­duali­sier­te Krebs­me­di­zin wer­den vor­an­ge­trie­ben. So soll ein neu ent­wickel­ter Urin­test das Screen­ing auf Pros­ta­ta­krebs prä­zi­ser machen und un­nö­tige in­va­sive Ab­klä­run­gen re­du­zie­ren. Gleich­zei­tig hal­ten da­ten­ba­sier­te Ent­schei­dungs­in­stru­men­te Ein­zug in die Kli­nik: Am AI-Tumor­board wer­den ge­ne­tische Pro­file, Bild­da­ten und kli­ni­sche Stu­dien analy­siert, um Ärztin­nen und Ärzte bei der Wahl der best­mög­li­chen The­ra­pie zu un­ter­stüt­zen – auch bei sel­te­nen Krank­hei­ten. Der Uni­ver­si­täre For­schungs­schwer­punkt ITINE­RARE unter­sucht solche Lei­den und ent­wickelt neue Therapien.

«Die ersten Operations­roboter waren wie ein Fiat 500, heute arbeiten wir dagegen mit einem Ferrari», sagt José Ober­holzer. Als einer der ersten Trans­planta­tions­chirurgen welt­weit führte er Trans­planta­tionen mit Roboter­technik durch.

UZH-Forschen­de trei­ben zu­kunfts­wei­sen­de An­sätze voran, so ar­bei­ten sie an so­ge­nan­nten Fress­zel­len - Ma­kro­pha­gen, die von Tu­mor­zell­en um­pro­gram­miert wer­den und diese nicht mehr eli­mi­nie­ren. Zu­gleich er­öff­net die Ana­ly­se der welt­weit grössten Herz­in­farkt-Daten­sätze mit­hilfe künst­li­cher In­tel­li­genz neue Wege, Krank­heits­ver­läufe bes­ser zu ver­stehen und Be­hand­lun­gen dif­fe­ren­zier­ter zu ge­stal­ten. Fort­schritte in der ro­bo­ter­ge­stüt­zten Chi­rur­gie er­hö­hen zu­dem die Prä­zi­sion ope­ra­ti­ver Eingriffe.

Pro­gram­me wie das Com­pre­hen­sive Can­cer Cen­ter Zurich bün­deln die­se Ent­wick­lun­gen und ver­bin­den Grund­la­gen­for­schung, kli­ni­sche Stu­dien und tech­no­lo­gi­sche Inno­va­tion – etwa bei CAR-T-Zell-The­ra­pien ge­gen Blut­krebs oder bei neuen Be­hand­lungs­stra­te­gien für oli­go­me­tas­ta­sier­te Tumoren.

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Das Ver­ständ­nis für ge­schlech­ter­spe­zi­fi­sche Un­ter­schie­de in der Me­di­zin nimmt zu. Am 1. Swiss Gen­der Me­di­cine Sym­po­sium zei­gen in­ter­na­tio­nale Ko­ry­phäen den ak­tu­el­len Stand in For­schung und Kli­nik auf.

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Gezielte Diät verstärkt Wirkung neuer Krebs­therapie bei Kindern

Ein For­schungs­team der Uni­ver­si­tät Zü­rich und des Uni­ver­si­täts-Kin­der­spi­tals Zü­rich hat einen neuen the­ra­peu­ti­schen An­satz für Kin­der mit bös­ar­ti­gen Tu­mo­ren des Ner­ven­sys­tems ent­wickelt. Durch die Kom­bi­na­tion eines be­währten Me­di­ka­ments mit einer spe­ziel­len Diät wird das Tu­mor­wachs­tum ge­bremst und die Krebs­zel­len zur Rei­fung in harm­lose Ner­ven­zel­len angeregt.

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Myonen und Krebs bei Kindern

Bessere Dia­gno­sen und The­ra­pien für krebs­kran­ke Kin­der und mehr Schub für die Myo­nen­for­schung: Die UZH er­hält zwei neue Na­tio­nale For­schungs­schwer­punk­te und da­mit eine lang­fris­tige Un­ter­stüt­zung für die Wei­ter­ent­wick­lung auf zwei Ge­bie­ten der Spit­zen­for­schung.

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Männer – das ist be­kannt – ge­hen nicht gern zum Arzt, be­son­ders un­gern zum Uro­lo­gen, mit dem Ri­si­ko, dass Pros­ta­ta­krebs zu spät er­kannt wird. Ein un­kom­pli­zier­ter Urin­test könnte in Zu­kunft das Ri­si­ko mi­ni­mie­ren. Dieser Test wird vom Spin­off ON­TRACK Bio­me­dical entwickelt.

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Künst­liche In­tel­li­genz (KI) kann die prä­zi­se Be­hand­lung von Krebs­kran­ken vor­an­trei­ben, denn mit Da­ten las­sen sich Krank­heits­ver­läufe ge­nauer vor­her­sa­gen. Das spart Res­sour­cen und noch viel wich­ti­ger: kost­bare Zeit. Mit dem AI-Tu­mor­board soll die KI am Uni­ver­si­täts­spi­tal und Uni­ver­si­täts-Kin­der­spi­tal Zü­rich Ein­zug halten.

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Vergiftete Körper

Viele sel­te­ne Krank­hei­ten be­tref­fen den Stoff­wech­sel im Kör­per. Für die Be­trof­fe­nen und für die Wis­sen­schaft sind sie eine Her­aus­for­de­rung. Der Uni­ver­si­täre For­schungs­schwer­punkt ITINE­RARE un­ter­sucht sol­che Lei­den und ent­wickelt neue Therapien.

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Trickreiche Tumoren

Hirn­tumo­ren nut­zen das Imm­un­sys­tem für sich aus. Dies will Neu­ro­chi­rur­gin Jenny Kienz­ler mit einem neuen The­ra­pie­an­satz ändern.

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KI analysiert weltweit grösste Herzinfarkt-Datensätze

Künst­liche In­tel­li­genz kann das Risi­ko von Pa­tien­tin­nen und Pa­tien­ten mit der häu­figs­ten Form des Herz­in­farkts prä­ziser ein­schät­zen als bis­he­rige Me­tho­den und so­mit die Be­hand­lung ge­ziel­ter steuern. Dies zeigt eine in­ter­na­tio­nale Studie un­ter Lei­tung der Uni­ver­sität Zürich.

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Checkpoint-Inhibitor fördert Reparatur von Gewebe

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Mit dem Roboter operieren

José Ober­holzer ge­hört welt­weit zu den Ers­ten, die mit dem Ro­bo­ter Or­ga­ne trans­plan­tier­ten. Heute forscht er zu Zell­the­ra­pien für Dia­be­tes, ver­pflanzt Nie­ren und Bauch­speichel­drüsen und för­dert den Nachwuchs.

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Seit rund 400 Jahren kön­nen wir mit Mi­kro­sko­pen immer klei­ne­re Dinge er­ken­nen. Heute kön­nen die mo­derns­ten Ge­räte tief in le­ben­de Zel­len hin­ein­schauen und so hel­fen, Krank­hei­ten wie Krebs zu un­ter­su­chen und The­ra­pien zu ver­bes­sern. An die­sem Ziel ar­bei­ten an der UZH meh­rere Forschungsgruppen.

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Wie personalisierte Krebsforschung die Menschen erreicht

Was Prä­zi­sions­me­di­zin heute be­reits leis­ten kann, wird am Com­pre­hen­sive Can­cer Cen­ter Zurich (CCCZ) sicht­bar: Krebs­the­ra­pien, die ge­zielt wir­ken – und ge­sun­des Ge­webe scho­nen. Kli­nik, For­schung und Leh­re ar­bei­ten hier eng zu­sam­men, um wis­sen­schaft­li­che Er­kennt­nisse schnel­ler in die Be­hand­lung zu bringen. 

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Stadt­gebiete mit Glas­türmen und Swimming­pools kon­tras­tieren mit den dicht ge­drängten Well­blech­dächern von Dharavi (Mumbai), einem der grössten Slums Asiens.

Präzise Experimente für ein besseres Leben

Armut prä­zise be­kämp­fen, Unter­neh­men in die Ver­ant­wor­tung neh­men, faire Chan­cen für alle und ver­trau­ens­wür­di­ge Po­li­tik: An der UZH be­schäf­ti­gen sich For­schen­de mit der Frage, wie die Welt ge­rech­ter ge­stal­tet wer­den könnte. Die­sem Thema wird sich auch das Lemann Cen­ter für Ent­wick­lung, Bil­dung und Pub­lic Po­licy wid­men, das die No­bel­preis­trä­ge­rin Esther Duflo und der No­bel­prei­strä­ger Abhijit Baner­jee an der UZH auf­bauen werden.

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Gute For­schung kann das Le­ben vie­ler Men­schen welt­weit ver­bes­sern. Dies be­legt die wis­sen­schaft­li­che Ar­beit von Esther Duflo und Abhijit Baner­jee. Die Ent­wick­lungs­öko­no­min und der Ent­wick­lungs­öko­nom be­kämpfen seit Jah­ren er­folg­reich die Ar­mut. Grund­lage da­für sind prä­zi­se Feld­ex­pe­ri­men­te auf der gan­zen Welt, die zu­wei­len zu über­ra­schen­den Er­kennt­nis­sen füh­ren. So zeig­te sich etwa, dass Ent­wur­mungs­kuren Ki­ndern in Kenia er­mög­lichen, re­gel­mäs­si­ger die Schule zu be­suchen. Dies e­rhöht ihre Chan­cen auf mehr Ein­kom­men und gute Ge­sund­heit im Erwachsenenalter.

Mittler­weile sind am Ab­dul Latif Jameel Po­ver­ty Ac­tion Lab in Bos­ton, das die bei­den For­schen­den mit­be­grün­det ha­ben, eine Viel­zahl sol­cher Stu­dien ent­stan­den – immer mit dem Ziel, kon­kre­te Mass­nah­men zu ent­wickeln, die Men­schen das Leben er­leich­tern und zu etwas mehr Ge­rech­tig­keit führen.

Esther Duflo und Abhijit Banerjee (von links) bei der Feld­forschung in Indien.

Für ihre bahn­bre­chen­de For­schung er­hiel­ten Esther Duflo und Abhijit Baner­jee 2019 den Nobel­preis für Wirt­schafts­wis­sen­schaf­ten. 2025 ent­schied das Ehe­paar, vom Mas­sa­chu­setts In­sti­tute of Tech­no­logy in Bos­ton an die Wirt­schafts­wis­sen­schaft­li­che Fa­kul­tät der UZH zu wech­seln, wo sie ab Som­mer 2026 je eine von der Le­mann Found­ation fi­nan­zier­te Stif­tungs­pro­fes­sur über­neh­men und ge­mein­sam das Lemann Cen­ter für Ent­wick­lung, Bil­dung und Pub­lic Po­licy auf­bauen werden.

Verantwortungsvolle Unternehmen, faire Startchancen

An der UZH be­schäf­ti­gen sich For­schen­de aus ver­schie­de­nen Dis­zi­pli­nen im wei­tes­ten Sinne mit der Frage, wie die Ge­sell­schaft ge­rech­ter ge­stal­tet wer­den könnte. Die Rechts­wis­sen­schaft­le­rin Chris­tine Kauf­mann be­schäf­tigt sich mit Men­schen­rech­ten und er­forscht, wie Un­ter­neh­men ihre Ver­ant­wor­tung bes­ser wahr­neh­men kön­nen. Und sie hat für die in­ter­na­tio­nale Or­ga­ni­sa­tion für wirt­schaft­li­che Zu­sam­men­ar­beit und Ent­wick­lung (OECD) Leit­linien für ver­ant­wor­tungs­vol­le Un­ter­neh­mens­füh­rung aktua­li­siert, die von 52 Staaten über­nom­men wur­den. Die Schweiz hat in die­ser Sache noch Auf­hol­be­darf: «Die Un­ter­neh­mens­ver­ant­wor­tung in der Schweiz muss ein­heit­li­cher, kla­rer und bes­ser ge­re­gelt wer­den», sagt Kaufmann.

«Die Un­ter­­neh­mens­­ver­­ant­­wor­tung in der Schweiz muss ein­­heit­­li­cher, kla­rer und bes­ser ge­re­gelt wer­den.»

Chris­tine Kauf­mann

Professorin für Staats-, Verwaltungs- und Völkerrecht

Die Er­zählung vom ame­ri­ka­ni­schen Traum ver­spricht Glück als Lohn für har­te Ar­beit. Der Glau­be an die­ses me­ri­to­kra­ti­sche Prin­zip ist die Ba­sis un­se­rer west­li­chen Leis­tungs­ge­sell­schaft. Doch ha­ben tat­säch­lich alle eine Chan­ce, es zu et­was zu brin­gen? Der UZH-Öko­nom Ernst Fehr sagt dazu: «Chan­cen­gleich­heit be­deu­tet glei­che Start­be­din­gun­gen für alle, doch das ist kaum er­reich­bar, weil die Vor­aus­set­zun­gen in Be­zug auf Fa­mi­lie, Fi­nan­zen und Bil­dung sehr ver­schie­den sind.» Des­halb seien gute und er­schwing­li­che Bil­dungs­mög­lich­kei­ten und ein faires Steu­er­sys­tem wich­tig. Wie Steu­er­sys­teme ge­rech­ter wer­den, un­ter­sucht UZH-Ökonom Florian Scheuer.

Wich­tig ist zu­dem, dass Ge­rech­tig­keit sich nicht nur öko­no­misch quan­ti­fi­zie­ren lässt, es geht auch um ide­el­le Wer­te wie An­er­ken­nung und Wert­schät­zung. Da­rauf ver­weist die For­schung der Po­li­tik­wis­sen­schaft­le­rin Silja Häusermann.

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Entwicklungshilfe nach Mass

Ent­wur­mungs­kuren für Schul­kin­der in Kenia und mehr Schutz vor den Fol­gen des Kli­ma­wan­dels für Men­schen in In­dien: Mit prä­zi­sen Ex­pe­ri­men­ten und kon­kre­ten Mass­nah­men kämpfen Esther Duflo und Abhijit Baner­jee gegen die Ar­mut. Da­für er­hiel­ten sie 2019 den Wirt­schafts­nobel­preis. Im Inter­view er­klä­ren sie ihren er­folg­reichen Forschungsansatz.

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Schmutziges Wasser, weisses Gold

Die Menschen­rechte wer­den von der Wirt­schaft meist an­er­kannt, aber zu we­nig durch­ge­setzt. Ent­schei­dend ist, Pro­ble­me kon­kret zu be­nen­nen, statt ideo­lo­gi­sche Grund­satz­dis­kus­sio­nen zu füh­ren, sagt Rechts­wis­sen­schaft­le­rin Christine Kaufmann.

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Faire Startchancen für alle

Ein merito­kra­tisches Sys­tem, das Leis­tung be­lohnt, setzt vor­aus, dass alle faire Start­chan­cen ha­ben. Da­zu tra­gen zu­gäng­li­che und er­schwing­li­che Bil­dung, ein funk­tio­nie­ren­des Ge­sund­heits- und So­zial­sys­tem und ein ge­rech­tes Steu­er­sys­tem bei, sa­gen die Öko­no­men Ernst Fehr und Steven Ongena.

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Verlierern unter die Arme greifen

Der soziale Ab­stieg und die Angst da­vor trei­ben viele Men­schen dazu, Par­teien am rech­ten Rand zu wäh­len. Wenn ihnen Wert­schät­zung ent­ge­gen­ge­bracht und sie ge­zielt un­ter­stützt wer­den, stärkt das ihr Ver­trauen in den Staat, sagt die Poli­to­lo­gin Silja Häusermann.

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Steuerlast gerechter verteilen

Für «gerechte» Steu­ern gibt es keine ein­fa­che Lö­sung, es braucht ein Bün­del von prag­ma­ti­schen Mass­nah­men: Schlupf­löcher schlies­sen, Fehl­an­reize mi­ni­mie­ren, Ar­beit und Ka­pi­tal glei­cher­mas­sen be­steu­ern. Letzt­lich wer­den Steu­ern aber po­li­tisch aus­ge­han­delt, sa­gen der His­to­ri­ker Mathieu Leim­gruber und der Öko­nom Florian Scheuer.

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Gerechte Entscheide kalkulieren

Politische Ent­schei­dun­gen schaf­fen oft G­ewin­ner und Ver­lie­rer. Das lässt sich nicht immer ver­mei­den, doch kön­nen be­re­chen­bare und trans­pa­rente Kri­terien hel­fen, Un­ge­rech­tig­kei­ten zu mi­ni­mie­ren, wie die For­schung der Öko­no­min Maya Eden zeigt.

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Das Tischlein ist reich gedeckt – doch für ein Über­mass an Industriell herge­stellten Lebens­mitteln ist der menschliche Körper nicht gemacht.

Wie wir uns gut ernähren

Zu wissen, was uns gut­tut, ist der Schlüs­sel zu einer ge­sun­den und aus­ge­wo­ge­nen Er­näh­rung. For­schen­de der UZH zei­gen, was uns nützt und was uns scha­det – und wie wir un­se­ren Kör­per ins Gleich­ge­wicht brin­gen können.

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Die Tisch­lein sind heute reich ge­deckt – zu­min­dest in den west­li­chen Kon­sum­ge­sell­schaf­ten. Doch ei­gent­lich ist un­ser Kör­per nicht ge­macht für die Über­fül­le, wie Evo­lu­tions­me­di­zi­ne­rin Nicole Bender fest­hält: «Bio­lo­gisch und ge­ne­tisch ist un­ser Kör­per auf dem Stand des Neo­lithi­kums». Das passt nicht zur mo­der­nen Er­näh­rung mit in­dus­tri­ell her­ge­stell­ten Le­bens­mit­teln, die ge­sät­tigt sind mit hoch­kon­zen­trier­ten Nähr­stof­fen wie Koh­len­hy­dra­ten, Fet­ten und Zucker und die gleich­zei­tig oft we­nig Vi­ta­mi­ne und Bal­last­stoffe enthalten.

«Unser Körper ist darauf pro­gram­miert, nicht zu ver­hun­gern, für ein Le­ben im Nah­rungs­mit­tel­über­fluss ist er nicht gemacht.»

Thomas Lutz

Professor für Veterinärphysiologie

«Unser Körper ist darauf pro­gram­miert, nicht zu ver­hun­gern, für ein Le­ben im Nah­rungs­mit­tel­über­fluss ist er nicht ge­macht», sagt auch Thomas Lutz. Der Ve­te­ri­när­phy­sio­lo­ge un­ter­sucht, wie fal­sche Er­näh­rung un­ser Hor­mon­sys­tem durch­ein­an­der­bringt, mit schwer­wie­gen­den Fol­gen wie Fett­lei­big­keit und Dia­be­tes. Und er hat die Grund­la­gen für eine neue Ab­nehm­sprit­ze er­forscht, die auf dem Hor­mon Amy­lin ba­siert. Das Hor­mon re­du­ziert un­ter an­de­rem das Hun­ger­ge­fühl und ver­lang­samt die Ent­leerung des Magens.

Richtig fasten

Unsere Ess­ge­wohn­hei­ten ver­än­dern sich nur lang­sam. Wes­halb das so ist und mit wel­chen Stra­te­gien und The­ra­pien wir un­se­re Er­näh­rung wie­der ins Lot brin­gen, er­for­schen die Er­näh­rungs­wis­sen­schaft­le­rin Sa­bine Rohr­mann und der Psy­cho­loge Se­bas­tian Bürgler.

Eine Möglich­keit, die Er­näh­rung wie­der an Be­din­gun­gen an­zu­nä­hern, die bes­ser zu un­se­rer bio­lo­gi­schen Aus­stat­tung pas­sen, ist das Fas­ten. Be­son­ders wir­kungs­voll ist es, ab­wechs­lungs­wei­se gan­ze Tage we­nig oder nichts zu sich zu neh­men. Das zei­gen Stu­dien des Adi­po­si­tas-For­schers Phi­lipp Ger­ber. Fas­ten hat aber auch eine spi­ri­tuel­le Di­men­sion. Für den Theo­lo­gen Ralph Kunz ist es ein Mo­ment des In­ne­hal­tens, eine leib­lich er­fahr­bare Un­ter­bre­chung des Ge­wohn­ten, die Raum schafft für De­mut und Aufmerksamkeit.

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Fisch statt Fastfood

Die moderne Food-Welt bie­tet eine Über­fülle an b­eque­men Ver­pfle­gungs­mög­lich­kei­ten. Doch un­sere stein­zeit­li­che Bio­lo­gie passt nicht zur mo­der­nen Er­näh­rung. Dies macht uns zu schaf­fen. Evo­lu­tions­me­di­zi­ne­rin Nicole Ben­der weiss, wie wir mit diesem Di­lem­ma um­ge­hen können.

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Querbeet und bunt ist gesund

Unsere Er­näh­rungs­ge­wohn­hei­ten sind oft un­ge­sund und sie ver­än­dern sich nur lang­sam. Psy­cho­loge Se­bas­tian Bürg­ler und Er­näh­rungs­wis­sen­schaft­le­rin Sabine Rohr­mann er­for­schen, wes­halb das so ist und was wir tun kön­nen, um es zu ändern.

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Die Welt wird dicker

Wir essen zu viel und be­we­gen uns zu wenig. Das kann un­se­ren Ener­gie­haus­halt aus dem Lot brin­gen. Mög­li­che Kon­se­quen­zen sind Über­ge­wicht und Fett­lei­big­keit. Der Phy­sio­loge Thomas Lutz und der Adi­po­si­tas-Spe­zia­list Philipp Ger­ber er­for­schen, wie Be­trof­fe­ne wie­der ins Gleich­ge­wicht kommen.

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Klimaerwärmung lässt Anbauflächen global schrumpfen

Mit steigenden Tem­pe­ra­turen schrump­fen die An­bau­flächen vie­ler wich­ti­ger Nutz­pflan­zen wie Wei­zen, Mais oder Kar­tof­feln. Be­son­ders be­trof­fen sind die Sub­tro­pen. Scrol­len Sie durch ani­mier­te Dia­gram­me und in­ter­ak­tive Kar­ten im Ar­ti­kel, die das Aus­mass des Rück­gan­ges in ver­schie­de­nen Klima­sze­na­rien zeigen.

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Freiwillig verzichten

In der sä­ku­la­ren Über­fluss­ge­sell­schaft hat das Fas­ten seine re­li­giö­se Not­wen­dig­keit ver­lo­ren – und er­lebt doch als «De­tox» eine Re­nais­sance. Theo­lo­ge Ralph Kunz und Psy­cho­lo­gin Lisa-Katrin Kauf­mann er­klä­ren, wie­so es auch heute sinn­voll sein kann, frei­wil­lig auf Nah­rung zu verzichten.

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Die Wurzeln der UZH liegen in den Bibel­stunden, die vor 500 Jahren der Refor­mator Huldrych Zwingli im Gross­münster ab­hielt. Die UZH be­geht dieses Jubi­läum 2025 mit zahl­reichen Ver­an­stal­tun­gen. Im Bild: Theo­login Judith Engeler und Theo­loge Konrad Schmid auf einem der Türme des Grossmünsters.

Bullingers Briefe und digitale Arbeit

Forschende der UZH er­öff­nen mit­hilfe von KI neue Pers­pek­ti­ven auf die Ge­schich­te, analy­sie­ren die Mo­ral des Lo­bens, un­ter­su­chen pro­ble­ma­ti­sche Ar­beits­be­din­gun­gen in der di­gi­ta­len Welt und er­kun­den die Spra­chen­viel­falt in der Schweiz.

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Heinrich Bullinger (1504 bis 1575) war ein passio­nier­ter Brie­fe­schrei­ber. Über fünf­zig Jahre lang pfleg­te der Zür­cher Re­for­ma­tor Brief­kon­tak­te zu rund tau­send Per­so­nen, un­ter an­de­rem zu Pfar­rern, Po­li­ti­kern, Fürs­ten und Grä­fin­nen in Eu­ro­pa und der Schweiz, aber auch mit Ver­wand­ten und Be­kann­ten. Nach sei­nem Tod hin­ter­liess Bul­lin­ger 12 000 Briefe, da­von hatte er 2000 selbst ver­fasst, 10000 wur­den ihm zugeschickt.

Das Insti­tut für Com­pu­ter­lin­gu­is­tik hat in den letz­ten fünf Jah­ren diese um­fas­sen­de Brief­schaft di­gi­tal auf­be­rei­tet, im ver­gan­ge­nen Som­mer wur­de das Pro­jekt «Bul­lin­ger di­gi­tal» ab­ge­schlos­sen. Da­mit wird die Kor­res­pon­denz nicht nur für For­schen­de aus Theo­lo­gie und Sprach­wis­sen­schaf­ten schnell und prak­tisch ver­füg­bar, son­dern für alle, die sich für die Ge­schich­te der Zür­cher Re­for­ma­tion interessieren.

Der Refor­mator Heinrich Bullinger nutzte alle im 16. Jahr­hundert ver­füg­baren Medien für die Ver­brei­tung der Refor­mations-Gedanken. Heute würde er wohl auch online kommunizieren. (Bild: Roland Fischer, remixed by KlingGrafik)

Mit dieser Ge­schichte ver­bun­den ist auch die UZH: Denn ab 1525 tra­fen sich im Zür­cher Gross­müns­ter Pfarrer, Chor­her­ren und Schü­ler, um ge­mein­sam die Bi­bel zu le­sen und zu über­set­zen. Diese Bi­bel­stun­den wur­den als «Prophe­zey» be­kannt. Sie soll­ten zu einem Vor­läu­fer der hö­he­ren Bil­dung in Zürich wer­den – und zu einer Keim­zelle der UZH. Dieser Um­stand wur­de im letz­ten Jahr an­läss­lich des 500-Jahre-Jubi­lä­ums mit zahl­rei­chen Ver­an­stal­tun­gen an der Theo­lo­gi­schen und Re­li­gions­wis­sen­schaft­li­chen Fa­kul­tät der UZH gefeiert.

Geschichtsbilder und gesellschaftlicher Wandel

Digitale Tech­no­lo­gie macht nicht nur his­to­ri­sche Do­ku­men­te ein­facher und bes­ser zu­gäng­lich, wie das Bei­spiel von «Bul­lin­ger di­gi­tal» zeigt, son­dern er­mög­licht auch neue Pers­pek­ti­ven auf die Ge­schich­te. So nutzt der Alt-His­to­ri­ker Felix K. Maier KI-Bild­ge­ne­ra­to­ren, um an­ti­ke Sze­nen his­to­risch fun­diert zu vi­suali­sie­ren und da­mit zu neuen wis­sen­schaft­li­chen Fra­ge­stel­lun­gen zu ge­lan­gen. «Je in­ten­si­ver wir uns mit KI-ge­ne­rier­ten Bil­dern be­schäf­ti­gen, des­to stär­ker wird un­sere his­to­ri­sche Vor­stel­lungs­kraft sti­mu­liert», sagt er.

Der tech­no­lo­gie­ge­trie­be­ne ge­sell­schaft­li­che Trans­for­ma­tions­pro­zess, in dem wir uns heute be­fin­den, er­öff­net viel­ver­spre­chen­de Pers­pek­ti­ven – hat aber auch Schat­ten­sei­ten. Ein Bei­spiel da­für sind Ar­beits­ver­hält­nis­se auf Ab­ruf mit fle­xi­bel de­fi­nier­ten Ar­beits­zei­ten, die über di­gi­tale Platt­for­men ver­mit­telt wer­den. «Das kann be­deu­ten, dass sich je­mand immer für Auf­träge be­reit­hält und am Ende der Woche trotz­dem zu we­nig Ar­beits­stun­den für einen exis­tenz­si­chern­den Lohn hat», sagt Ar­beits­geo­gra­fin Ka­rin Schwiter. In einem vom euro­päi­schen For­schungs­rat un­ter­stütz­ten Pro­jekt un­ter­sucht sie das Prob­lem der Un­ter­be­schäf­ti­gung in der Schweiz, in Gross­bri­tan­nien und den Nie­der­lan­den und ent­wickelt Lö­sungs­vor­schlä­ge für Po­li­tik und Wirtschaft.

In der Schweiz werden weit mehr Idiome als die vier Landes­sprachen gesprochen. (Illustration: Cornelia Gann)

Der gesell­schaft­li­che Wan­del spie­gelt sich auch im Sprach­ge­brauch. «Spra­chen sind dy­na­misch und pas­sen sich stän­dig den Kom­mu­ni­ka­tions­be­dürf­nis­sen an», sagt der Ro­ma­nist Jo­han­nes Ka­ba­tek. Die For­schung zeigt, dass die Schweiz längst kein vier­spra­chi­ges, son­dern ein viel­spra­chi­ges Land ist. Dieser poly­glot­ten Schweiz gilt das 2024 er­schie­ne­ne Buch «Spra­chen­räume der Schweiz», das den Sprach­wan­del und die Spra­chen­viel­falt in der Schweiz beleuchtet.

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Bullingers Schatz ist online

Die 12'000 Briefe um­fas­sen­de Kor­res­pon­denz des Zürcher Re­for­ma­tors Hein­rich Bul­lin­ger ist digi­ta­li­siert und on­line. Künst­li­che In­tel­li­genz und Citi­zen Sci­ence hal­fen mit, die Viel­falt der Hand­schrif­ten und Namen zu erschliessen.

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Zwingli, Gott und UZH

Vor 500 Jahren hielt Re­for­ma­tor Huld­rych Zwingli im Gross­müns­ter Bibel­stun­den ab. Jahr­hun­der­te spä­ter ent­stand da­raus die Uni­ver­si­tät Zürich. Da­mals präg­te die Kir­che die Welt, heute schwin­det ihre Be­deu­tung. Was hat die Theo­lo­gie der Ge­sell­schaft noch zu sagen?

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Das Gute würdigen

Wenn wir über Moral spre­chen, den­ken wir fast immer an Schuld, Ta­del und Stra­fe, nicht aber an Lob, sagt Pas­cale Wil­lem­sen. Die Phi­lo­so­phin will das än­dern: Sie un­ter­sucht die so­zia­len Re­geln des Lo­bens und macht dazu Experimente.

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Legionäre per Klick

Ein Zen­tu­rio mit Snea­kers und Son­nen­brille? KI-Bild­ge­ne­ra­to­ren kön­nen Ge­schichte ganz schön ver­dre­hen. Al­ter­tums­wis­sen­schaft­ler ent­wickeln ein Tool, das an­tike Sze­nen his­to­risch fun­diert visua­li­siert und da­mit neue Pers­pek­tiven eröffnet.

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Schattenseiten der Teilzeitarbeit

Die UZH-Arbeits­geo­grafin Karin Schwiter hat einen der be­gehr­ten ERC Ad­vanced Grants des Euro­päischen For­schungs­rats er­hal­ten. In den nächs­ten fünf Jah­ren will sie das Prob­lem der Un­ter­be­schäf­ti­gung in der Schweiz, in Gross­bri­tan­nien und in den Nie­der­lan­den untersuchen. 

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Vielsprachige Schweiz

Die Schweiz ist längst kein vier­spra­chi­ges Land mehr, son­dern ein viel­spra­chiges. Das neu er­schie­nene Buch «Spra­chen­räume der Schweiz» analy­siert diesen Wan­del und be­leuch­tet die Spra­chen­viel­falt der Schweiz.

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Gefahren im Gebirge: Forschung hilft, vor­aus­zu­sehen, wo kriti­sche Ereig­nisse statt­finden können. (Illustration: Anna Sommer)

Umweltrisiken analysieren

Mit Metho­den der Fern­er­kun­dung analy­sie­ren For­schen­de der UZH den Berg­sturz von Blat­ten, aber auch Um­welt­schä­den, die von der In­dus­trie ver­ur­sacht wer­den. Gleich­zei­tig ver­bes­sern sie die Mög­lich­kei­ten, das Ri­si­ko künf­ti­ger Um­welt­ka­ta­stro­phen bes­ser abzuschätzen.

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Ende Mai 2025 wur­de das Wal­li­ser Dorf Blat­ten von einer Schutt- und Eis­la­wi­ne weit­ge­hend zer­stört. Kurz nach dem Berg­sturz ha­ben Fern­er­kun­dungs­spe­zia­lis­ten der UZH mit ver­schie­de­nen Sen­so­ren das Berg­sturz­ge­biet über­flo­gen und Hy­per­spek­tral­da­ten im bis­her um­fas­sends­ten Band­brei­ten­be­reich von der Ab­riss-Stelle und vom Schutt­ke­gel gesammelt.

«Die­se Da­ten kön­nen viel de­tail­lier­ter als die bis­her be­kann­ten Foto­gra­fien Aus­kunft über die Be­schaf­fen­heit des Schutt­ke­gels ge­ben», sagt Mathias Kneu­bühler vom Geo­gra­phi­schen In­sti­tut der UZH. For­schen­de der Geo­lo­gie, Gla­zio­lo­gie oder etwa Öko­lo­gie kön­nen sich da­mit nun ein mög­lichst kla­res Bild über die Situa­tion in Blat­ten und die mög­li­che zu­künf­tige Ent­wick­lung verschaffen.

Der Schutt­kegel über Blatten am 11. Juni 2025. Die Auf­nahme mach­ten Andreas Hüni und Marius Vögtli von der Air­borne Re­search Faci­lity for the Earth Sys­tem (ARES) der UZH.

Auch Alexander Damm-Reiser analy­siert Um­welt­schä­den per Fern­er­kun­dung.  Im For­schungs­pro­jekt «Spa­tial Sus­tai­na­ble Fi­nance» do­ku­men­tiert er mit Hi­lfe von Sa­tel­li­ten­da­ten den Zu­stand von Öko­sys­te­men im Um­kreis von In­dus­trie­an­la­gen oder Roh­stoff­för­de­run­gen. Das Pro­jekt wur­de von der Or­ga­ni­sa­tion Geo­spa­tial World mit dem Zer­ti­fi­kat für «Ex­cel­lence in En­vi­ron­men­tal and So­cie­tal Im­pact» aus­ge­zeich­net. «Die Fern­er­kun­dung er­laubt Ein­blicke in Öko­sys­teme, die von blos­sem Auge nicht mög­lich ist», sagt Damm-Reiser.

Szenarien für künftige Felsstürze simulieren

Umwelt­analy­sen be­schäf­ti­gen auch den Geo­grafen Holger Frey. Er un­ter­sucht, was pas­sie­ren könnte, wenn Ge­röll, Eis oder Was­ser in Be­we­gung ge­ra­ten. Da­zu er­ar­bei­tet er Mo­del­le, die zei­gen, wie sich Fels­stür­ze, Eis­ab­brüche oder Was­ser­mas­sen im Ge­län­de aus­brei­ten, und wo und wie schnell Was­ser und Ge­röll flies­sen. Die­se Er­kennt­nis­se hel­fen vor­her­zu­se­hen, wo kri­ti­sche Er­eig­nisse statt­fin­den kön­nen und wie man sich vor ihren Fol­gen schüt­zen kann.

Gefahren gehen nicht nur von Erd­rut­schen oder Fels­stür­zen aus: Der Be­richt des BAFU zu Kli­ma­ri­si­ken lis­tet un­ter an­de­rem auch klei­ne­re lo­ka­le Über­schwem­mun­gen als Kli­ma­ri­si­ko auf. «Bei Hoch­was­ser sind Nie­der­schlä­ge im Nor­mal­fall der aus­lö­sen­de Fak­tor», sagt Daniel Vivi­roli, der un­ter an­de­rem die Aus­wir­kun­gen des Kli­ma­wan­dels auf Hoch­was­ser un­ter­sucht. Zu­ver­läs­si­ge Pro­gno­sen dazu sind schwie­rig. Auch hier kön­nen Si­mu­la­tio­nen und Mo­del­le hel­fen. Vivi­roli und sein Team ha­ben bei­spiels­wei­se mit realen Wet­ter­da­ten aus den ver­gan­ge­nen neun­zig Jah­ren das Ab­fluss­ver­hal­ten von Ge­wäs­sern in der Schweiz mo­del­liert. Die­se Mo­del­le hel­fen zu ver­ste­hen, wie häu­fig Spit­zen ent­ste­hen und wel­che Aus­masse sie an­neh­men können.

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Verwundeter Regenwald

Mit Satelliten­daten kann Ale­xander Damm-Reiser Bio­di­ver­si­tät, Öko­sys­teme und Um­welt­schä­den analy­sieren und in Bil­der fas­sen. Da­mit lässt sich unter an­de­rem ob­jek­tiv und un­ab­hän­gig der öko­lo­gi­sche Fuss­ab­druck von Un­ter­neh­men bewerten.

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Detaillierter Blick auf den Schuttkegel von Blatten

Seit im Mai 2025 rie­sige Fels- und Eis­mas­sen das Wal­li­ser Dorf Blat­ten unter sich be­gru­ben, be­schäf­ti­gen sich For­schen­de in­ten­siv mit dem Er­eig­nis. Spe­zia­lis­ten der UZH für Fern­er­kun­dung haben den Schutt­ke­gel mit ver­schie­de­nen Sen­so­ren aus der Luft ver­mes­sen. Die Ana­lyse der Da­ten soll un­ter an­de­rem bei der Be­wäl­ti­gung künf­ti­ger Ereig­nisse helfen.

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Bergstürze und starker Regen

Natur­ge­fah­ren wie Erd­rutsche und Über­schwem­mun­gen dürf­ten in der Schweiz häu­fi­ger wer­den. UZH-Geo­gra­fen ar­bei­ten da­ran, bes­sere Vor­her­sa­gen zu ma­chen, wo sie auf­tre­ten könn­ten und wel­che Fol­gen sie haben.

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