Michael Schaepman (60) studierte und promovierte an der UZH. Nach Forschungs­aufenthalten in den Niederlanden und den USA kehrte er 2009 als Professor für Fern­erkundung an seine Heimuniversität zurück. 2014 wurde er zum Prodekan und 2016 zum Dekan der Mathematisch-naturwissen­schaftlichen Fakultät ernannt. Als Mitglied der Universitäts­leitung war er von 2017 bis 2020 für die Bereiche Forschung, Innovation und Nachwuchs­förderung zuständig, seit 2020 ist er Rektor der UZH.
Michael Schaepman (60) studierte und promovierte an der UZH. Nach Forschungs­aufenthalten in den Niederlanden und den USA kehrte er 2009 als Professor für Fern­erkundung an seine Heimuniversität zurück. 2014 wurde er zum Prodekan und 2016 zum Dekan der Mathematisch-naturwissen­schaftlichen Fakultät ernannt. Als Mitglied der Universitäts­leitung war er von 2017 bis 2020 für die Bereiche Forschung, Innovation und Nachwuchs­förderung zuständig, seit 2020 ist er Rektor der UZH.

Die Präsidentin des Universitäts­rats und der Rektor der UZH im Gespräch

«Die Weichen in Richtung Zukunft gestellt»

Bildungs­­direktorin Silvia Steiner und UZH-Rektor Michael Schaepman diskutieren über den Umgang mit künstlicher Intelligenz, Berufs­­aussichten von Studierenden, strategische Professuren­­planung, die Förderung des wissen­­schaftlichen Nachwuchses, Inter­­natio­­nalität und gesell­s­chaftliche Verant­­wortung.

Frau Steiner, worin liegt aus Ihrer Sicht die beson­dere Stärke der Uni­ver­sität Zürich?

Silvia Steiner: In den vergang­enen Jah­ren hat das Bild der UZH in der Öffen­tlich­keit deut­lich an Kon­tur ge­won­nen. Die viel­fäl­ti­gen Bei­träge für die Ge­sell­schaft wer­den heute kla­rer ge­se­hen und an­er­kannt. Die Uni­versi­tät ar­bei­tet eng mit an­de­ren Bil­dungs­in­sti­tu­tio­nen zu­sam­men und über­nimmt Ver­ant­wor­tung an der Schnitt­stel­le von Bil­dung und Ar­beits­markt. Sie be­treibt ex­zel­len­te For­schung in re­le­van­ten The­men­be­rei­chen, ist eine ver­läss­li­che Part­ne­rin im Ge­sund­heits­we­sen und bringt ihr Wis­sen sys­te­ma­tisch in Po­li­tik, Kul­tur, Wirt­schaft und Recht ein. Die UZH ge­niesst ein ho­hes Ver­trau­en, nicht nur in der Be­völ­ke­rung, son­dern auch bei der öf­fent­li­chen Hand. Das zeigt sich im ho­hen fi­nan­ziel­len En­gage­ment des Kan­tons. Da­ran ge­knüpft ist die Er­war­tung, dass die UZH ihre wis­sen­schaft­li­chen Leis­tun­gen noch stär­ker für die Ge­sell­schaft nutz­bar macht. 

Herr Schaepman, wie trägt die UZH zur Zukunfts­fähigkeit der Gesell­schaft bei?

Michael Schaepman: Der tech­no­lo­gi­sche und ge­sell­schaft­li­che Wan­del ist wis­sens­ge­trie­ben. Und wer schafft die­ses Wis­sen? Das sind haupt­säch­lich Uni­ver­si­täten. Die UZH hat des­halb eine grosse ge­sell­schaft­li­che Ver­ant­wor­tung, die sie wahr­nimmt, in­dem sie sich ver­stärkt als Vor­den­ke­rin in ge­sell­schaft­li­che De­bat­ten ein­bringt. Sie forscht nicht nur an Grund­lagen, aus de­nen spä­ter Inno­va­tio­nen oder neue Pro­duk­te ent­ste­hen kön­nen, son­dern ver­mit­telt auch Wer­te und ethi­sche Hal­tung. Das ist die Ba­sis für eine ver­ant­wor­tungs­volle Ge­stal­tung der Zukunft. 
 

Silvia Steiner (68) studierte Rechts­wissen­schaften an der UZH und promovierte an der Universität Lausanne. Die Mitte-Politikerin war Staats­anwältin und Polizei­offizierin und ist seit 2015 Regierungs­rätin und Bildungs­direktorin des Kantons Zürich. Bis Ende 2024 war sie Präsidentin der Schweizerischen Konferenz der kantonalen Erziehungs­direktorinnen und -direktoren (EDK). Seit 2024 ist sie Co-Vize­präsidentin der Schweizerischen Hochschul­konferenz (SHK). Als Bildungs­direktorin ist sie zugleich Präsidentin des Universitäts­rats der UZH.

«Werte und ethische Hal­tung sind die Basis für eine ver­ant­wor­tungs­volle Ge­stal­tung der Zukunft.»

Michael Schaepman

Was bedeutet das im Hin­blick auf die digitale Trans­formation der Gesell­schaft?

Schaepman: Ein mündi­ger Um­gang mit di­gi­ta­ler Tech­no­lo­gie, künst­li­cher In­tel­li­genz und den Mög­lich­kei­ten des ma­schi­nel­len Ler­nens ver­langt, dass wir uns vor­aus­den­kend fra­gen, wel­che Zu­kunft wir für uns wol­len. Wie zum Bei­spiel kann Tech­no­lo­gie uns hel­fen, Pro­duk­ti­vi­täts­ein­bus­sen wett­zu­machen, die sich aus dem de­mo­gra­fi­schen Wan­del er­ge­ben? Oder wie kön­nen wir im KI-Zeit­alter die Qua­li­tät und die Glaub­wür­dig­keit von Wis­sen si­cher­stel­len? Um auf sol­che Fra­gen trag­fä­hi­ge Ant­wor­ten zu fin­den, müs­sen wir mög­lichst viele Ge­sichts­punk­te ein­be­zie­hen. Das kann die UZH dank ihrer Viel­falt an Dis­zi­pli­nen be­son­ders gut. Viel­falt ist der Schlüs­sel zur Zu­kunfts­fä­hig­keit der UZH und der gan­zen Gesellschaft.

Wie verändert künstliche Intel­ligenz das Lernen und Lehren?

Steiner: Schüle­rin­nen und Schü­ler so­wie Ler­nen­de al­ler an­de­ren Bil­dungs­stu­fen ha­ben sehr früh be­gon­nen, künst­li­che In­tel­li­genz im Lern­all­tag zu nut­zen. Nach einer an­fäng­li­chen Phase der Ver­un­si­che­rung zeig­te sich rasch, dass KI im Un­ter­richt prag­ma­tisch und re­flek­tiert ein­ge­setzt wer­den kann. Künst­li­che In­tel­li­genz er­leich­tert das Auf­fin­den und Auf­be­rei­ten von Wis­sen. Wir dür­fen aber nicht ver­ges­sen: KI bleibt ein Werk­zeug und er­setzt das ei­ge­ne Den­ken nicht. Im Ge­gen­teil: Je ein­facher Wis­sen ver­füg­bar wird, des­to wich­ti­ger wer­den die Fä­hig­kei­ten, In­for­ma­tio­nen kri­tisch zu hin­ter­fra­gen und ein­zu­ord­nen, Quel­len zu prü­fen und Zu­sam­men­hän­ge zu ver­ste­hen. Der kom­pe­tenz­orien­tier­te Un­ter­richt, der an den Zür­cher Schu­len mit dem Lehr­plan 21 be­reits vor Jah­ren ein­ge­führt wur­de, er­weist sich auch im Um­gang mit künst­li­cher In­tel­li­genz als trag­fä­hi­ge Grund­lage für zeit­ge­mässes Lernen.

«Ein mündiger Um­gang mit Tech­no­logie ver­langt, dass wir uns voraus­denkend fragen, welche Zu­kunft wir für uns wollen.»

Michael Schaepman

Wie verändert KI die Perspek­tiven von Berufseinstei­gerinnen und -einsteigern?

Steiner: Ich teile die Sor­ge nicht, dass die KI sys­te­ma­tisch Ein­stiegs­jobs für Hoch­schul­ab­sol­ven­tin­nen und -absol­ven­ten zum Ver­schwin­den bringt, auch wenn die Ar­beits­lo­sen­zahl von Hoch­schul­ab­sol­ven­tin­nen und -absol­ven­ten leicht auf 2,2 Prozent ge­stie­gen ist – im Ver­gleich zu 2,9 Pro­zent bei allen Be­rufs­ein­steige­rin­nen und -ein­stei­gern. Aber Tä­tig­keits­pro­file und An­for­de­run­gen ver­schie­ben sich. Die gute Nach­richt ist, dass Stu­dien­ab­gäng­erin­nen und -ab­gän­ger viel brei­ter ein­setz­bar sind, als es klas­si­sche Ein­stiegs­bil­der oft na­he­le­gen. Ein uni­ver­si­täres Stu­dium ist keine Ein­bahn­strasse, son­dern er­öff­net viel­fältige be­ruf­li­che Wege.

Wie bereitet die UZH die Studie­renden auf eine Arbeits­welt im Wandel vor?

Schaepman: An der UZH lernen Stu­die­ren­de, ei­gen­stän­dig zu den­ken, kri­tisch zu ur­tei­len, Zu­sam­men­hänge zu er­fas­sen, sich auf Un­ge­wohn­tes ein­zu­las­sen, mit Neue­run­gen um­zu­gehen und selbst zu Neue­run­gen bei­zu­tra­gen. Das sind alles grund­le­gen­de Fä­hig­kei­ten in Zei­ten des be­schleu­nig­ten Wan­dels. Frü­her präg­ten Wei­sungs­ket­ten die Ar­beits­ab­läufe, heu­te sind die Pro­zes­se viel kom­ple­xer und ko­ope­ra­tiver. Wo aber Hie­rar­chien an Be­deu­tung ver­lie­ren, da wird Em­pa­thie zu einer Kern­kom­pe­tenz. Un­ter­schied­li­che Sicht­wei­sen zu ver­knüp­fen und in Vari­an­ten zu den­ken, wird im­mer wich­ti­ger. Um sol­che Fä­hig­kei­ten zu schu­len, legt die UZH ein be­son­de­res Ge­wicht auf Interdisziplinarität.

«Ein universi­täres Studium ist keine Ein­bahn­strasse, son­dern er­öffnet viel­fältige beruf­liche Wege.»

Silvia Steiner

In den kommenden fünf Jahren wird rund ein Viertel der Profes­suren an der UZH neu besetzt. Welche Chancen eröffnet dieser Gene­rationen­wechsel? 

Schaepman: Der Generationen­wech­sel ist eine Fol­ge des star­ken Wachs­tums der UZH vor rund 30 Jah­ren. Dass die­ser per­so­nel­le Um­bruch mit einem be­schleu­nig­ten ge­sell­schaft­li­chen und di­gi­ta­len Wan­del zu­sam­men­fällt, ist ein güns­ti­ger Zu­fall. Pro­fes­su­ren prä­gen das in­halt­li­che Pro­fil der Uni­ver­si­tät. Wir ha­ben jetzt die Mög­lich­keit, die Aus­rich­tung vie­ler Pro­fes­su­ren mit Blick auf künf­ti­ge Ent­wick­lun­gen und Her­aus­for­de­run­gen zu über­den­ken und – wo es sinn­voll ist – an­zu­pas­sen. Diese Ge­le­gen­heit neh­men wir wahr.

Steiner: Auch aus bildungs­poli­ti­scher Sicht er­öffnet der Ge­ne­ra­tio­nen­wech­sel eine gros­se Chance: Die Al­ters­dis­tanz zwi­schen Leh­ren­den und Ler­nen­den wird klei­ner, ihre Er­fah­rungs­wel­ten rücken nä­her zu­sam­men. Das er­leich­tert den Dia­log – ins­be­son­dere bei The­men wie Di­gi­ta­li­sie­rung und künst­li­che In­tel­li­genz, bei de­nen Ler­nen zu­neh­mend in bei­de Rich­tun­gen stattfindet.

Welche Strate­gie verfolgt die UZH bei der Professu­ren­planung?

Schaepman: Wir be­set­zen Pro­fes­su­ren ver­stärkt mit Blick auf den ge­samt­uni­ver­si­tären Zu­sam­men­hang. Dazu ver­tie­fen wir den Dia­log zwi­schen den Fa­kul­tä­ten und der Uni­ver­si­täts­lei­tung. An­hand von Quer­schnitts­the­men wie zum Bei­spiel der künst­li­chen In­tel­li­genz über­le­gen wir ge­mein­sam, wie wir die UZH in ihrer gan­zen Viel­falt so wei­ter­ent­wickeln, dass sie auch zu­künf­tig ihrer ge­sell­schaft­li­chen Ver­ant­wor­tung ge­recht wird. Pro­fes­su­ren sind auf Dauer an­ge­legte Ver­pflich­tun­gen, zu­gleich be­schleu­nigt sich der wis­sen­schaft­liche und ge­sell­schaft­li­che Wan­del. Um­so wich­ti­ger ist es, Per­sön­lich­kei­ten zu be­ru­fen, die ver­netzt den­ken und ar­bei­ten und ihre Dis­zi­plin im Aus­tausch mit Stu­die­ren­den und Mit­ar­bei­ten­den weiterentwickeln. 

Steiner: Entscheidend ist am Ende auch die Fra­ge, was die Stu­die­ren­den brau­chen. Diese Pers­pek­tive muss kon­se­quent mit­ge­dacht werden.

Wie entwickelt sich der Frauen­anteil bei den Profes­suren?

Steiner: Die Ent­wicklung ist er­freu­lich: Seit 2015, also seit ich im Amt bin, ist der Frauen­an­teil bei den Pro­fes­su­ren von rund 20 auf über 30 Pro­zent ge­stie­gen. Ende 2025 wa­ren 243 von 745 Pro­fes­su­ren mit Frau­en be­setzt – der höchste Wert in der Ge­schich­te der UZH. Das ist kein Zu­fall, son­dern das Er­geb­nis kon­se­quen­ter An­streng­un­gen über meh­re­re Jahre. Einen we­sen­tlich­en Bei­trag leis­ten die As­sis­tenz­pro­fes­suren. 2025 lag der Frauen­an­teil dort bei 52 Pro­zent. Die­se Zahl stimmt zu­ver­sicht­lich. Zu­gleich gilt: Gleich­stel­lung braucht Aus­dauer. Es ist wich­tig, die Spiel­räume des Ge­ne­ra­tio­nen­wech­sels ge­zielt zu nut­zen und in Be­ru­fungs­ver­fah­ren sys­te­ma­tisch da­rauf zu ach­ten, dass qua­li­fi­zier­te Wis­sen­schaft­lerin­nen be­rück­sich­tigt wer­den. Frauen schät­zen sich im Be­wer­bungs­pro­zess oft zu­rück­hal­ten­der ein – und es hilft, sie aus­drück­lich zu ermutigen.

«Der Anstieg des Frauen­anteils bei den Profes­suren ist das Ergebnis konse­quenter Anstrengungen.»

Silvia Steiner

Die UZH hat im vergangenen Jahr das Nobel­preis­träger-Ehepaar Esther Duflo und Abhijit Banerjee berufen. Es wird an der UZH das Zentrum für Ent­wicklungs­ökonomie, Bildung und Politik­gestal­tung auf­bauen. Wie wichtig sind solche Spitzen­berufungen? 

Schaepman: Die Stärke der UZH be­steht darin, dass sie über eine breite Ba­sis von ex­zel­len­ten For­schen­den ver­fügt. Spitzen­beru­fun­gen set­zen da­bei ge­ziel­te Im­pul­se. In ein­zel­nen Be­rei­chen holen wir be­son­ders her­aus­ra­gen­de Per­sön­lich­kei­ten, die glo­bale Vor­bilder sind und an­dere in­spi­rie­ren und mitziehen.

Was macht die UZH für heraus­ragende For­schende attraktiv?

Steiner: Heraus­ragende For­schen­de kom­men nicht we­gen kurz­fris­ti­ger An­rei­ze an die UZH, son­dern we­gen ver­läss­li­cher Rah­men­be­din­gun­gen wie wis­sen­schaft­li­cher Frei­heit, gut ver­netz­ter Struk­tu­ren und mo­der­ner In­fra­struk­tur. Der Kan­ton Zürich bie­tet als eine der in­no­va­tivs­ten Re­gio­nen Eu­ro­pas das pas­sen­de Umfeld.

Welche Bedeutung hat die För­de­rung des wissen­schaftlichen Nach­wuchses für die Zukunfts­fähig­keit der UZH?

Schaepman: Junge Wissen­schaftle­rinnen und Wissen­schaft­ler sind un­sere Zu­kunft. Sie sind zen­tral für die Selbst­er­neue­rung der UZH, da­rum ge­hört die Nach­wuchs­för­de­rung zu un­se­ren Kern­auf­ga­ben. Wir le­gen Wert auf ver­läss­li­che Rah­men­bedin­gun­gen mit guter Be­treu­ung und klaren Qua­lifi­ka­tions­we­gen. Zu­gleich kom­mu­ni­zie­ren wir offen, was eine aka­demi­sche Lauf­bahn be­deu­tet. Wis­sen­schaft ist hoch kom­pe­ti­tiv, und nicht alle wer­den dauer­haft an der Uni­ver­si­tät blei­ben. Des­halb stär­ken wir neben der fach­li­chen Ex­zel­lenz auch Kom­pe­ten­zen, die aus­ser­halb der wis­sen­schaft­li­chen Kar­riere gefragt sind.

Steiner: Und es ist Auf­gabe der Uni­ver­si­tät, Nach­wuchs­for­schende da­bei zu unter­stüt­zen, den rich­ti­gen Zeit­punkt für den nächs­ten Schritt zu fin­den. Das kann auch be­deu­ten, den Über­gang in eine ver­ant­wor­tungs­volle Po­si­tion ausser­halb der Uni­ver­si­tät vor­zu­be­rei­ten. Eine aka­de­mi­sche Aus­bil­dung er­öffnet viele be­ruf­liche Wege. Ein er­folg­rei­cher Über­gang in andere Berufs­fel­der ist kein Schei­tern, son­dern Aus­druck der Qua­lität der Ausbildung. 

Nachwuchs­forschende arbeiten oft in engen Abhängig­keits­verhält­nissen. Welche konkreten Mass­nahmen ergreift die UZH, um Nach­wuchs­for­schen­de zu schützen und faire, trans­parente Beding­ungen sicher­zu­stellen? 

Steiner: Doktorie­rende und Post­dok­to­rie­ren­de gut zu be­treu­en, ist eine Füh­rungs­auf­gabe, die fach­lich und mensch­lich hohe An­for­de­run­gen stellt. Die Schwei­ze­ri­sche Hoch­schul­kon­fe­renz hat die An­for­de­run­gen 2023 in den Grund­sät­zen zur För­de­rung des wis­sen­schaft­li­chen Nach­wuch­ses fest­ge­legt. Gute Be­treu­ung be­deu­tet, klare Er­war­tun­gen zu for­mu­lie­ren, regel­mäs­sig Rück­mel­dun­gen zu ge­ben und Zu­stän­dig­keiten trans­parent zu regeln. 

Schaepman: Gute Betreu­ung ist auch eine Frage der ethi­schen Ver­ant­wor­tung. Sie ver­langt Auf­merk­sam­keit, Ver­läss­lich­keit und Sen­si­bi­li­tät im Um­gang mit Macht­ver­hält­nis­sen. Die UZH in­ves­tiert des­halb viel in die För­de­rung von Füh­rungs­kom­pe­ten­zen. Er­gän­zend dazu hat sie klare und ver­bind­liche Re­geln ein­ge­führt, um Ab­hängig­kei­ten zu re­du­zie­ren und faire Ar­beits­be­din­gun­gen zu ge­währ­lei­sten. Die 2025 ein­ge­führ­ten Autor­schafts­richt­linien stel­len sicher, dass die in­tel­lek­tuel­len Bei­träge von Nach­wuchs­for­schen­den an­er­kannt wer­den. Ein wei­te­res zen­tr­al­es In­stru­ment ist die seit 2024 gel­ten­de «Pro­tec­ted Time»: Dok­to­rie­rende – und künf­tig auch Post­dok­to­rie­ren­de – ver­fü­gen über klar de­fi­nier­te, ge­schütz­te Zeit­fens­ter für ihre ei­ge­ne For­schung. Da­durch ist die Ge­samt­zahl wis­sen­schaft­li­cher Stel­len an der UZH gewachsen.

Steiner: Man muss b­etonen, dass es sich da­bei nicht um einen Aus­bau der Ver­wal­tung, son­dern um ge­ziel­te In­ves­ti­tio­nen in pro­duk­ti­ve Stel­len in For­schung und Leh­re han­delt. Sie stär­ken die Quali­tät von Bil­dung und Forschung.

«Gute Betreuung verlangt Auf­merk­sam­keit, Ver­läss­lich­keit und Sen­sibi­lität im Um­gang mit Macht­verhältnissen.»

Michael Schaepman

Kann und soll eine Universität Kon­flikte und Macht­missbrauch selbst auf­ar­beiten – oder braucht es externe Stellen?

Schaepman: Die UZH be­steht aus Men­schen – und da­her ist sie nicht frei von Kon­flik­ten und Re­gel­ver­let­zun­gen. Als auto­no­me In­sti­tu­tion wol­len und kön­nen wir sol­che Fälle selbst pro­fes­sio­nell auf­ar­bei­ten. Die UZH ver­fügt über meh­re­re kom­pe­tent be­setz­te An­lauf- und Be­ra­tungs­stel­len und über klar de­fi­nier­te, öf­fent­lich do­ku­men­tier­te Ver­fah­ren für den Um­gang mit Re­gel­ver­stös­sen. Dazu ge­hört auch das 2023 ein­ge­führ­te Be­treu­ungs­mo­ni­to­ring, das es der Uni­ver­si­täts­lei­tung und den Fa­kul­täts­lei­tun­gen er­laubt, pro­ble­ma­ti­sche Mus­ter zu er­ken­nen und ein­zu­grei­fen. Die Kenn­zah­len der Kom­mis­sion RSB – Re­gle­ment zum Schutz vor se­xuel­ler Be­läs­ti­gung – sind seit 2024 öf­fent­lich zu­gäng­lich. Es ist uns ein An­lie­gen, das Ver­trau­en in un­sere Ver­fah­ren und in die An­lauf- und Be­ra­tungs­stel­len wei­ter zu stär­ken. Wir las­sen die Men­schen in Kon­flikt­situa­tio­nen nicht allein. 

Wie lässt sich die Auto­nomie der UZH mit der Verant­wort­ung gegenüber dem Kanton verein­baren?

Steiner: Der Kanton trägt sub­stan­ziell zur Finan­zie­rung der UZH bei, ent­sprech­end ha­ben Po­li­tik und Öf­fent­lich­keit ein In­te­res­se da­ran zu ver­ste­hen, wie diese Mit­tel ein­ge­setzt wer­den. Die Er­fah­rung zeigt: Je kla­rer die Uni­ver­si­tät dar­legt, was sie tut und wel­chen öf­fent­li­chen Nut­zen sie stif­tet, des­to grös­ser ist das Ver­trau­en. Die­ses Ver­trauen wie­der­um ist eine Grund­vor­aus­set­zung für die uni­ver­si­täre Selbst­ver­wal­tung. Die Rah­men­be­ding­ungen sind in der Eigen­tümer­stra­tegie 2025–2028 festgelegt. 

Schaepman: Ver­trauen er­wer­ben wir na­tür­lich auch durch Pro­fes­sio­na­li­tät. Wenn wir zum Bei­spiel ein gros­ses Vor­ha­ben wie den Neu­bau UZI 5 ter­min­ge­recht und im Kos­ten­rah­men reali­sie­ren, wächst unser Hand­lungs­spiel­raum. Eine so­li­de Go­ver­nance, eine ver­läs­sli­che Fi­nanz­füh­rung, ein mo­der­nes Ri­siko­ma­na­ge­ment und Trans­pa­renz ge­gen­über Po­li­tik und Öf­fent­lich­keit sind Grund­lagen für die Auto­no­mie der UZH.

«Je klarer die UZH dar­legt, was sie tut und wel­chen öffent­lichen Nut­zen sie stif­tet, desto grös­ser ist das Ver­trauen von Poli­tik und Öffent­lichkeit.»

Silvia Steiner

Wie trägt die UZH zu einer nach­haltigen Ent­wick­lung der Gesell­schaft bei?

Steiner: Das Thema Nach­hal­tig­keit ist an der UZH breit ver­an­kert. Sen­si­bi­li­tät und En­gage­ment sind hoch. Den Orien­tie­rungs­rah­men bil­den die Ziele für nach­hal­tige Ent­wick­lung der Ver­ein­ten Na­tio­nen. Die UZH über­prüft re­gel­mäs­sig die Um­set­zung ihrer Nach­hal­tig­keits-Po­li­cy und zeigt damit, wie sie zur Um­set­zung der kan­to­na­len Kli­ma­stra­te­gie beiträgt. 

Schaepman: Das A und O für die nach­hal­ti­ge Zu­kunft ist, dass wir Zu­sam­men­hän­ge ge­samt­heit­lich er­ken­nen und lösen. Da­rum ver­fol­gen wir in For­schung, Leh­re und Be­trieb einen ganz­heit­li­chen An­satz. Wir ar­bei­ten in­ter­dis­zi­pli­när zu­sam­men, um neue und um­setz­bare Lö­sun­gen zu fin­den – zum Bei­spiel für den Er­halt der Bio­di­ver­si­tät oder für einen kli­ma­neu­tra­len Ener­gie­haus­halt. Wir ha­ben vor, un­sere viel­fäl­ti­gen Bei­träge zur nach­hal­ti­gen Ent­wick­lung ge­gen­über Po­li­tik und Öf­fent­lich­keit noch bes­ser als bis­her sicht­bar zu machen. 

Die grossen Heraus­forderung­en unserer Zeit haben meist eine globale Dimen­sion. Welche Prioritä­ten setzt die UZH in ihrer inter­natio­nalen Vernetzung?

Schaepman: Die UZH en­ga­giert sich prio­ri­tär in den gros­sen Hoch­schul­netz­wer­ken Uni­ver­si­tas 21, LERU und Una Eu­ro­pa. In sol­chen mul­ti­la­te­ra­len Netz­wer­ken kön­nen wir un­se­re Res­sour­cen ge­zielt und nach­hal­tig ein­set­zen, um ex­zel­len­te und faire Ko­ope­ra­tio­nen in For­schung und Lehre zu pfle­gen und Stu­die­ren­den in­ter­na­tio­nale Mo­bi­li­täts- und Lern­er­fah­run­gen zu er­mög­li­chen. Zu­dem er­mög­li­chen es uns diese Netz­wer­ke, An­lie­gen wie Wis­sen­schafts­frei­heit, in­sti­tu­tio­nel­le Auto­no­mie und gute Rah­men­be­din­gun­gen für die Grund­lagen­for­schung mit star­ker Stimme auf in­ter­na­tio­naler Ebe­ne zu vertreten.

Die UZH wurde vom Staats­sekretariat für Bildung, For­schung und Inno­va­tion (SBFI) zum Leading House Asia Pacific 2025–2028 ernannt. Mit welchem Ziel?

Schaepman: Die UZH hat das Man­dat, die Zu­sam­men­arbeit der Schweiz mit Part­nern im asia­tisch-pa­zi­fi­schen Raum von Ja­pan bis Aus­tra­lien im Be­reich For­schung, Bil­dung und In­no­va­tion zu stär­ken. Da­für ist die UZH gut auf­ge­stellt. Sie ver­fügt über eine breit ge­fä­cher­te Ex­per­tise zum asia­tisch-pa­zi­fi­schen Raum. Aus­ser­dem ist sie mit über 50 Aus­tausch­ab­kom­men und Mo­bi­li­täts­pro­gram­men gut in der Region ver­netzt. Be­son­ders le­ben­dige Part­ner­schaf­ten pfle­gen wir mit der Uni­ver­si­tät Kyoto und der Uni­ver­sity of Queens­land. Unser ge­wach­se­nes Netz­werk ver­tie­fen und er­wei­tern wir nun mit Blick da­rauf, dass die Be­zie­hun­gen der gan­zen Schweiz zu­gute­kom­men. Das ist von gros­ser Be­deu­tung, denn der asia­tisch-pa­zi­fi­sche Raum ent­wickelt sich nicht nur wirt­schaft­lich dy­na­misch, son­dern ge­winnt auch in For­schung und In­no­va­tion welt­weit im­mer weiter an Gewicht.

«Die UZH hat das Man­dat, die aka­demische Zusammen­arbeit der Schweiz mit Partnern im asia­tisch-pazi­fischen Raum zu stärken.»

Michael Schaepman

Für den Wirt­schafts- und Inno­vations­standort Zürich ist die UZH eine wich­tige Impuls­geberin. Welche Rolle spielt in diesem Zu­sam­men­hang ihre glo­bale Ausrichtung? 

Steiner: Die UZH ist regio­nal ver­an­kert und ver­fügt zu­gleich über eine star­ke in­ter­na­tio­nale Aus­strah­lung. For­schen­de der UZH sind der­zeit an Pro­jek­ten mit über 2000 ver­schie­de­nen in­ter­na­tio­na­len In­sti­tu­tio­nen be­tei­ligt und ha­ben zwi­schen 2020 und 2024 ge­mein­sam mit Co-Au­to­rin­nen und Co-Au­to­ren aus mehr als 8000 In­sti­tu­tio­nen welt­weit pub­li­ziert. Von die­ser in­ter­na­tio­na­len Ver­net­zung pro­fi­tiert der Wirt­schafts­stand­ort Zürich un­mit­tel­bar, in­dem zum Bei­spiel Ideen aus der For­schung zur Markt­reife ge­bracht werden.

Schaepman: Der Arbeits­markt für For­schende ist glo­bal. Da­ran ge­mes­sen spricht es für die Wett­be­werbs­fä­hig­keit der UZH und des Inno­va­tions­stand­orts Zürich, dass wir viele ta­len­tier­te For­schen­de aus dem In- und Aus­land an­zie­hen und hal­ten kön­nen. Die Kom­bi­na­tion von in­ter­na­tio­na­ler Spit­zen­for­schung, einer ge­gen­über der Wis­sen­schaft auf­ge­schlos­se­nen Po­li­tik und Öf­fent­lich­keit so­wie kur­zen We­gen zwi­schen Grund­la­gen­for­schung und Um­set­zung in die Praxis macht Zürich zu einem sehr at­trak­ti­ven Innovations­standort.

Zu den zentralen gesell­schaftlichen Auf­gaben der UZH gehört die Aus­bildung von zu­künf­tigen Ärz­tin­nen und Ärz­ten. Mit dem Projekt Med500+ trägt die UZH zur Si­che­rung der medizi­nischen Versor­gung bei. Wo steht das Pro­jekt aktuell?

Steiner: Das Projekt Med500+ be­fin­det sich der­zeit in der par­la­men­ta­ri­schen Be­ra­tung. Die Rück­mel­dun­gen sind po­si­tiv, und der Be­darf an 270 zu­sätz­li­chen Stu­dien­plätzen gilt als un­be­strit­ten. Zu­gleich nut­zen wir die­se Er­wei­te­rung, um das Cur­ri­cu­lum grund­le­gend zu mo­der­ni­sie­ren und die Aus­bil­dung stär­ker kom­pe­tenz­orien­tiert und praxis­nah aus­zu­rich­ten. Da­bei spie­len auch die Spi­täler eine zen­tra­le Rolle. Die hohe Be­reit­schaft aller Be­tei­lig­ten, neue Wege zu ge­hen, ist sehr ermutigend.

Wir haben jetzt viel darüber gespro­chen, wie die UZH zur Zukunfts­fähigkeit der Gesell­schaft beiträgt und wie sie zu­gleich ihre eigene Zukunfts­fähigkeit stärkt. Haben Sie noch ein wei­teres, letz­tes Bei­spiel dafür?

Schaepman: Ich nenne ein Beis­piel aus der Lehre: Die UZH hat in den ver­gan­ge­nen Jah­ren auf der Ba­sis ihrer gros­sen fach­li­chen Viel­falt neue, in­ter­dis­zi­pli­näre Stu­dien­pro­gram­me ent­wickelt. Dazu ge­hö­ren Pro­gram­me in Be­rei­chen wie Bio­di­ver­si­tät, Bio­me­di­zin oder Wirt­schafts­che­mie. 2025 ka­men wei­tere An­ge­bo­te hin­zu, da­run­ter Evo­lu­tio­näre Sprach­wis­sen­schaft, Glo­bal Fu­tures, An­ge­wand­te Mathe­ma­tik und Ma­chine Learn­ing so­wie der in­ter­na­tio­nale Joint Ba­che­lor in Sus­tai­na­bi­li­ty. All diese Pro­gram­me be­fä­hi­gen die Stu­die­ren­den, sich in einer kom­ple­xen und sich rasch wan­deln­den Welt zu ori­en­tie­ren und sie mit­zu­gestalten.

Steiner: Genau! Und um ein wei­te­res Beis­piel zu nen­nen: Ich halte es auch für rich­tig und wich­tig, dass die UZH die in­ter­dis­zi­pli­näre For­schung fö­rdert und die Be­din­gun­gen da­für ste­tig ver­bes­sert. Denn ge­sell­schaft­li­che Her­aus­for­de­run­gen las­sen sich nur in­ter­dis­zi­pli­när an­ge­hen. Die UZH ent­wickelt ihre Struk­tu­ren da­hin­ge­hend wei­ter, dass ver­netz­te, fa­kul­täts­über­grei­fen­de For­schung in allen Be­rei­chen er­leich­tert wird. Exem­pla­risch steht da­für das fa­kul­täts­über­grei­fende One Health Insti­tute: Es ver­bin­det Hu­man- und Ve­te­ri­när­me­di­zin so­wie Na­tur­wis­sen­schaf­ten und er­mög­licht einen ganz­heit­li­chen Blick auf die Ge­sund­heit von Mensch, Tier und Um­welt. Da­mit stellt die UZH die Wei­chen in Rich­tung Zu­kunft – und b­eweist ihre Fähig­keit zur Selbst­erneuerung.

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